Die
chinesische Flöte.
Gedichte von Hans
Bethge (2001, YinYang-Verlag).
Besprechung von Dagmar Yu-Dembski, Berlin aus Das neue China:
1907 erschien im Leipziger
InseIverlag ein Bändchen mit Nachdichtungen chinesischer Gedichte von Hans Bethge. Der
Autor empfindsamer Lyrik, der auch Novellen, Essays, Erzählungen und Dramen schrieb, war
von der chinesischen Lyrik, die er in deutscher Übersetzung las, so verzaubert, dass er
dem deutschsprachigen Kulturkreis die Schätze der orientalischen Dichtkunst vermitteln
wollte. Obwohl er weder Chinesisch noch eine andere orientalische Sprache konnte, gelang
es ihm durch sein Einfühlungsvermögen und seine Sensibilität, die rhythmische
Musikalität und den Klang der chinesischen Lyrik in seinen Nachdichtungen einzufangen.
Über seine erste Begegnung mit chinesischer Lyrik schrieb er: "Ich fühlte eine bang
verschwebende Zartheit lyrischen Klanges, ich blickte in eine ganz von Bildern erfüllte
Kunst der Worte, die hinableuchtete in die Schwermut und die Rätsel des Seins, ich
fühlte ein feines lyrisches Erzittern, eine quellende Symbolik, etwas Zartes, Duftiges,
Mondscheinhaftes, eine blumenhafte Grazie der Empfindung."
Die Autorin und Verlegerin Regina
Berlinghof hat nun in dem noch jungen Verlag YinYang die Nachdichtungen Bethges als
Nachdruck herausgebracht, wobei sie sich in Anordnung und Gestaltung an die Erstausgabe
gehalten hat. So enthält das Bändchen auch das Geleitwort Hans Bethges, das einige
Auskunft über seine Faszination für chinesische Lyrik vermittelt. Ergänzt wird
"Die chinesische Flöte" durch Angaben zu Leben und Werk Bethges und einem
Nachwort zur Neuherausgabe (20. Auflage).
Die Resonanz auf Bethges Nachdichtungen war so außerordentlich, dass seine Werke auch
japanischer, arabischer und anderer orientalischer Lyrik immer wieder aufgelegt wurden.
Auch der YinYang Verlag plant die Herausgabe weiterer Bände seiner Nachdichtungen (bis in
das Jahr 2005), und im nächsten Jahr wird eine Biographie zu Leben und Werk Hans Bethges
veröffentlicht werden. In Bethges zeitlos schönen Nachdichtungen sind der lyrische
Zauber und die Musikalität chinesischer Poesie unverändert zu spüren. Und so ist der
Herausgeberin zu danken und zu hoffen, dass viele Leser sich in dieser Ausgabe an der
Schönheit klassischer chinesischer Dichtkunst erfreuen werden.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.dnc.de]
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