Die bezaubernde Florentinerin.
Roman
von Salman Rushdie (2009, Rowohlt).
Besprechung von Barbara Allebrodt in der Westf. Rundschau, 25.03.2009:

Märchen für den Großmogul

Ein bleichgesichtiger, gelbhaariger Europäer auf dem Weg zum Großmogul Akbar von Indien. Auf diese Reise nimmt Salman Rushdie den Leser mit in seinem neuen Roman „Die bezaubernde Florentinerin". Und eröffnet so den Ausblick auf eine Welt, die meist grell bunt, und oft ebenso klebrig daherkommt.

Jenen Großmogul Akbar hat es wirklich gegeben. An der Grenze zwischen 16. und 17. Jahrhundert ist es dem historischen Akbar gelungen, weite Teile Indiens in seinem Reich zu vereinen. Rushdie selber sieht darin „die Idee der Geburt Indiens", so sagte er kürzlich in einem Interview. Er habe den Eindruck gehabt, bei der Arbeit am Roman den Augenblick erforscht zu haben, in dem „die Welt entstand, in der wir heute leben."

Jener Akbar, des Kämpfens müde, vertreibt sich die Zeit mit Betrachtungen über das Sein und die Macht, als jener Fremde im bunten Flickenmantel an seinen Hof kommt, der sich „Mogor dell' Amore", und manchmal auch „Niccolo´ Vespucci" nennt.

Obwohl der Fremde eigentlich schon zum Tode verurteilt ist, gelingt es ihm doch, den Herrscher mit Geschichten so zu fesseln, dass die Hinrichtung aufgeschoben wird - Scheherezade lässt grüßen. So erklärt er dem Großmogul sogar, ein Blutsverwandter, ja sein Onkel zu sein.

Weit holt Mogor dell' Amore nun aus und erzählt die Geschichte dreier halbwüchsiger Jungen in Florenz, Niccolo´ Machiavelli, der spätere Philosoph und Staatsmann, Agostino Vespucci und Antonio Argalina. Als der seine Familie verliert, beschließt er die Stadt zu verlassen und sich einem großen und gefürchteten islamischen Admiral anzuschließen. Aus seinen Schlachten kehrt er heim mit jener „Bezaubernden Florentinerin" an seiner Seite, die am Ende auch die Verbindung herstellt zwischen dem Fremden aus dem Abendland und dem indischen Herrscher.

So gibt es für den Leser viel zu entdecken auf dieser Reise durch die Geschichten wie aus „Tausendundeiner Nacht". Begegnungen zwischen Orient und Okzident, philosophische Betrachtungen über das Wesen der Gerechtigkeit oder auch einfach nur hemmungslose Männerphantasien. Und das alles so bildhaft und blumig erzählt, dass man als Leser manchmal am Wegesrand zurück bleibt, geblendet von so viel bonbonbunter Farbenpracht.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie in www.westfaelische-rundschau.de]

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