Die Beschneidung von György Dalos, 1997, SuhrkampDie Beschneidung.
Roman von György Dalos (1997, Suhrkamp)
Besprechung von Stephan Ramming aus der Wochenzeitung, Zürich, 7.10.1999:

«Die Beschneidung»

Vielleicht nicht das Wichtigste, aber eines der bislang schönsten Bücher von György Dalos: Im erstmals 1990 auf Deutsch erschienenen Roman schildert Dalos das Aufwachsen des Jungen Robi Singer zwischen jüdischem Internat, gewitzter Grossmutter und ewig Tochter bleibender Mama. Robis Hauptproblem ist seine verpasste Beschneidung: Wird jeder jüdische Säugling am achten Tag nach der Geburt rituell beschnitten, kam Robi während Bombennächten in einem Budapester Luftschutzkeller zur Welt, so dass keine Zeit für den «Berit» blieb – dieser soll nun auf Druck der jüdischen Gemeinde nachgeholt werden. Robi ängstigt sich, doch um den Entscheid, ob er sich beschneiden lässt, kann er sich nicht drücken. Leicht im Ton entwirft Dalos – «das Buch ist zu achtzig Prozent autobiografisch» – ebenso eindrücklich wie verschmitzt das jüdische Milieu in Budapest unmittelbar nach den Grauen des Holocausts und beschreibt wie im Vorbeigehen die Atmosphäre zu Beginn des kommunistischen Regimes. Zudem ein wunderbares, vergnügliches Buch über das Erwachsenwerden.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie in der WOZ]

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