Die Ameiseninsel von Yasar Kemal, 2001, UnionsverlagDie Ameiseninsel.
Roman von Yasar Kemal (2001, Unionsverlag - Übertragung Cornelius Bischoff).
Besprechung von Ludwig Ammann in Neue Zürcher Zeitung vom 10.11.2001:

Mein Feind, mein Bruder
Yasar Kemals Roman «Die Ameiseninsel»

Wir kennen die Strände von Antalya und den Sultanspalast von Istanbul. Doch die Geschichte der Türkei ist uns fremd. Wir wissen, wenn es hochkommt, wer Mustafa Kemal Atatürk war: der «Vater der Türken» und Gründer der modernen Türkei. Wir erinnern uns dunkel an seine Anfänge: dass er das Land nach der Niederlage im Weltkrieg von den eingefallenen Griechen und Besatzern befreite und 1923 die Republik ausrief. Aber wie aus dem Vielvölkerreich der Osmanen ein Nationalstaat wurde - darüber wissen wir herzlich wenig. Nur eines hat sich allmählich herumgesprochen: Der Wandel kostete mindestens 800 000 Armenier das Leben.

Noch möchten viele Türken das 1915 vom osmanischen Staat begangene Verbrechen nicht glauben. Doch bricht, seit der türkische Soziologe Taner Akcam 1996 im deutschen Exil den späteren Prozess gegen die Täter dokumentierte, die Mauer des Schweigens. Dazu gehört, dass man sich nun auch der zweiten verschwiegenen Tragödie erinnert: der Vertreibung der griechisch-orthodoxen Christen aus der Türkei und der Muslime aus Griechenland. 1,1 Millionen «Griechen» wurden nach dem Friedensvertrag von Lausanne 1923 gegen 400 000 «Türken» ausgetauscht, sprich: zwangsumgesiedelt. Der Traum vom nationalen Staat führte zum Albtraum religiös-ethnischer «Säuberungen» durch Deportation und, im schlimmsten Fall, zum Genozid....Fortsetzung

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