Die Affenparty von Peter Hammerschlag, 2001, Zsolnay1.) - 2.)

Die Affenparty.
Gedichte von Peter Hammerschlag (2001, Zsolnay).
Besprechung von Ursula Reisenberger aus Rezensionen-online *bn*:

Das Prosawerk des Wiener Schriftstellers Peter Hammerschlag. (DR)

Nach der Lyrik ist nun endlich auch ein Teil des Prosawerks Peter Hammerschlags in Buchform erhältlich. Der Wiener Großbürgerssohn (geboren 1902) war in den 30er-Jahren als Conferencier, Autor und Blitzdichter im berühmten Kabarett "Zum lieben Augustin" der Stella Kadmon bekannt und beliebt. Seine Satiren sind "Fußnoten unter Weltenwunder", selten direkt politisch, stehen aber doch in einem klaren kritischen Bezug zu seiner Zeit und ihren Moden. Mit leichter Hand führt er die Amerika-Idolatrie jener Jahre genauso ad absurdum wie die zunehmende Bedeutung von Schnelligkeit und Modernität. Aus der Perspektive von Tieren und Kindern wird sein Blick auf die Welt weicher, melancholischer - aber nicht weniger ironisch. Für den vorliegenden Band haben die Herausgeber eine Auswahl aus dem in der österreichischen Nationalbibliothek versammelten Nachlass getroffen und lose unter dem Titel alter Kabarettprogramme geordnet. Angeschlossen ist ein umfangreicher Anmerkungsapparat, der nicht nur zeitgenössische Anspielungen erläutert, sondern in seiner Genauigkeit noch manche Extra-Pointe liefert. Zu bedauern ist allerdings, dass die Herausgeber im Nachwort zwar Hammerschlags Werk besprechen, aber wenig über ihn selbst sagen. Die Information zu seiner (leider zeittypischen) Biografie - er wurde als Jude in Auschwitz ermordet - ist nur einer Zeittafel zu entnehmen. Da Hammerschlag erst allmählich wieder entdeckt wird, hätte es sich durchaus gelohnt, ihn ausführlicher vorzustellen. Abgesehen davon ist der Band aber liebevoll gestaltet und überdies mit karikaturistischen Zeichnungen des Autors illustriert. - Für alle Bestände zu empfehlen.

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Die Affenparty von Peter Hammerschlag, 2001, Zsolnay2.)

Die Affenparty.
Gedichte von Peter Hammerschlag (2001, Zsolnay).
Besprechung von Günther Stocker in Neue Zürcher Zeitung vom 14.01.2002:

Weit entfernt
Humoresken von Peter Hammerschlag

In den dreissiger Jahren gerieten die berühmten Wiener Theater durch die politische und wirtschaftliche Misere Österreichs in die Krise, die Kleinkunst aber erlebte eine wahre Blütezeit. In den Kellern der Kaffeehäuser wurden improvisierte Bühnen eingerichtet, wo arbeitslos gewordene Theaterleute, aus Hitler-Deutschland geflohene Schauspielerinnen und Schauspieler und eine junge Generation frecher Autoren ein reiches Betätigungsfeld fanden.

Einer der produktivsten Künstler dieser Untergrundszene war der aus einer assimilierten jüdischen Intellektuellenfamilie stammende Peter Hammerschlag. Das 1902 geborene Multitalent betätigte sich nicht nur als Conférencier, Schauspieler und «Blitzdichter», der auf Zuruf aus dem Publikum Verse verfasste, sondern schrieb auch Gedichte und Erzählungen. Jetzt ist eine von Volker Kaukoreit und Monika Kiegler-Griensteidl editierte und kommentierte Auswahl von Prosatexten erschienen, die Hammerschlag für Wiener Zeitungen zwischen 1930 und 1937 geschrieben hat, die zum Teil aber auch noch unveröffentlicht waren. Mit Wortwitz und augenzwinkerndem Charme zieht er darin über die Erlebnissucht der gelangweilten Schickeria ebenso her wie über Spiessbürgermoral und die Aufgeregtheit der Sensationspresse. Besonders gelungen sind seine urbanen Skizzen, in denen er mit wenigen Sätzen treffende Typenporträts zeichnet, den Strassenbahnfahrgast, der sich den Hals verrenkt, um die Zeitung seines Vordermanns mitlesen zu können, die Stenotypistin, die mit ihrer Schnelligkeit ihre Chefs zur Verzweiflung bringt, oder den kleinen Buben, der sich verzweifelt durch die morgendlichen Fussgänger kämpft, da er zu spät zur Schule kommt. Das ist gut beobachtet, elegant formuliert - und vorwiegend harmlos... Fortsetzung

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