Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters von Tilman Rammstedt, 2012, DuMontDie Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters.
Erzählungen von Tilman Rammstedt (2012, DuMont).
Besprechung von Jens Dirksen in der NRZ vom 20.12.2002:

„Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“
Emails an Bruce Willis

Lieber Bruce Willis, dies ist Ihr Roman: Tilman Rammstedt schrieb „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“ – ein spannendes und kuriositätenpralles Werk, das sich zur parodistischen Filmerzählung entwickelt. Und eines, in dem der US-Actionstar nie auf seine Emails antwortet.

Man kann sich gar nicht vorstellen, dass so ein Roman tatsächlich aus lauter E-Mails an Bruce Willis bestehen kann. Man zweifelt bis zuletzt, und dann ist mit der letzten Seite doch ein wunderbar komisches Buch zu Ende gegangen: Tilman Rammstedts „Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“.

Diesen Bankberater, dessen Sätze von „3,5 Prozent sind 3,5 Prozent“ bis zum achselzuckenden „Da kann man nichts machen“ nur allzu vertraut klingen, muss man sich als eine Mischung aus Kafkas tragischen Helden und Woody Allen vorstellen. Und die Abenteuer, die er erlebt, finden selbstverständlich nicht an seinem Schreibtisch statt. Sie gehen vielmehr ab wie eine Lawine – ab dem Augenblick, wo er aus dem Wissen um die unerträgliche Leichtsinnigkeit des Seins als Bankberater die einzig verständliche Konsequenz zieht. Mit einem Revolver in der Hand. Weil ihm, frei nach Brecht, der Banküberfall im Vergleich zum Betreiben einer Bank moralisch wie menschlich weit unbedenklicher vorkommt.

Kleines Meisterwerk der gewitzten Unterhaltung

Bei dem spannenden, kuriositätenprallen Road-Movie, das dann einsetzt, sieht der E-Mail-Schreiber Tilman Rammstedt keinen anderen als Bruce Willis in der Hauptrolle. Der Roman entwickelt sich zur parodistischen Filmerzählung, in der sich die E-Mails und das Schicksal des Bankberaters unentwirrbar verknäueln.

Tilman Rammstedt, 1975 in Bielefeld geboren, gehört zu den wenigen Empfängern des NRW-Autorenstipendiums, die Karriere gemacht haben, bis hin zum Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Erfolgsroman „Der Kaiser von China“ (2008). Sein neuer ist ein kleines Meisterwerk der gewitzten Unterhaltung – ideal für einen trüben Nachmittag zwischen den Jahren.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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