Dichterloh von A.J.Weigoni, 2004, Lyrikedition 2000Dichterloh.
Gedichte von A. J. Weigoni (2004, Lyrikedition 2000 -
erhältlich über: info@buchmedia.de Und als Hörbuch über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de).
Besprechung von Regine Müller für die Rezensionen-Welt, 03/2005:

Als Sprachskeptiker hält Weigoni die Erinnerung indes bereits für Fiktion. Er hat der Sprachmelodie ihre eigenen Motive abgelauscht und versucht, die deutsche Sprache vor der simplen Verfügbarkeit zu bewahren. Nicht Sinn will dieser Poet mit seinem Werk schaffen, sondern Bedeutung.

Dieser VerDichter ist auf einer unermüdlichen Suche nach den richtigen Puzzlestücken seiner Poesie. Als Schwerstarbeiter im Textbergwerk sampelt er aus den Lebenswissenschaften beharrlich das Beste und zieht daraus das Elementarste.

Begabt mit einer sinnlichen Sprache, breitet A. J. Weigoni mit Verknüpfungskompetenz ein enzyklopädisches Wissen aus, das bei den Hörern und Hörerinnen den Bedeutungsgenerator im Kopf anwirft und ihnen die Möglichkeit gibt, mit dem Käscher Bedeutungs tragende Einheiten wie Forellen aus dem dahinplätschernden Redefluss zu fischen. Erotisch ist das pralle Fleisch dieser Gedichte: die Sprache. Die Worte, Verse und Strophen praktizieren all die Stellungsspiele, die sich in klingende Oralität verwandelt haben.

Die Stimme ist gleichsam der Fingerabdruck von Weigonis Persönlichkeit, er trägt seine Gedichte nicht einfach vor, er gestaltet und verwirklicht eine tonale Komposition wie Dichterloh mit sprachlichen Mitteln. Es wird eine Stimme hörbar, die ihrer eigenen Wahrnehmung traut, die Ambivalenzen zum Ausgangspunkt der Betrachtung macht. Unangestrengt schafft er geflüsterte, gesprochene Sprachkunstwerke. Das Mondäne vereinigt sich mit dem Musikalischen; der Intellekt mit dem Sinnlichen.

Diese Gedichte sind zarte Versuche einer Sprachbewegung ins Voraussetzungslose. A. J. Weigoni macht als Stilist mit radikalen Willen zur Genauigkeit mit seiner Poesie deutlich, dass die Spreche als AusdrucksSystem dem Sinn–System Sprache vorausgeht. Er lässt mit Lust an der gesprochenen Sprache, an der Schönheit von Worten, Tonfall, Melodie und Rhythmus hören: durch Intensität und Differenziertheit der Wahrnehmung, die in eine genuine Sprachmusik umgesetzt sind.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionen-welt.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0305 LYRIKwelt © Regine Müller