Dichterhäuser von Bodo Plachta, 2017Dichterhäuser.
Bildband von Bodo Plachta (2017
, Verlag Konrad Theiss, mit Fotos von Achim Bednorz).
Besprechung von Jens Dirksen aus der NRZ vom 15.9.2017:

Ein neuer Bildband zeigt viele Dichterhäuser in Deutschland
Bodo Plachtas neuer Bildband „Dichterhäuser“ zeigt anhand von Fotografien, wo Deutschlands große Schriftsteller gelebt und gearbeitet haben.

Wer Dichterhäuser besucht, sucht immer auch einen Hauch vom Entstehen der Kunst. Dieser Hauch aber hat, je nach Schriftsteller, ein sehr unterschiedliches Aroma. Bei Goethe am Weimarer Frauenplan ist es eher geprägt von den 150.000 Besuchern, die hier Jahr für Jahr hereinschnuppern. Bei Arno Schmidt in Bargfeld wird es auf eine ureigene Mischung aus Heidekraut, Karteikartenstaub und schwefeligem Ketzerdunst hinauslaufen. Auf dem Zürcher Kilchberg wiederum, rings um den Schreibtisch von Thomas Mann, weht der Duft der großen weiten Literaturwelt.

Und gerade das Gegenteil gilt für das „Schneckenhaus“ der Annette Droste vor den Stadttoren von Münster, wo das schier unverheiratbare Adelsfräulein mit seiner Amme lebte und sich dem Verseschmieden hingab, mit mehr oder minder großen Anleihen bei anderen: „Mein Indien“, schrieb sie, „liegt in Rüschhaus“ – als ahne sie das Hin- und Hergerissensein des 21. Jahrhunderts zwischen längst nicht mehr exotischer Ferne und umweltverträglicher Heimattreue vorweg.

Bodo Plachtas bilderreicher Band über deutsche Dichterhäuser eignet sich nur deshalb schlecht als Reiseführer, weil das Großformat nicht nur schlecht in die Hosentasche, sondern auch in manchen Rucksack passt. Aber die Reiseroute würde von der Burg des Oswald von Wolkenstein in Tirol bis zum Hebbelhaus im nordfriesischen Wesselburen führen, wo der Dichter nicht geboren wurde (die Tagelöhner-Kate ist längst eingeebnet), aber dem Kirchspiel-Vogt als Schreiber diente. Von dort ist es nicht weit bis zum Storm-Haus in Husum. Schillers Geburtshaus in Marbach wiederum, wo sein Vater ja als Regimentsmedicus diente, und der Hölderlin-Turm in Tübingen könnten ein Tagesausflug sein, Fontanes Apotheke in Neuruppin ein anderer.

Konturen und Handfestigkeit

Am meisten zu staunen (und vom Geist des Schriftstellers zu erhaschen) sein dürfte aber in der mit Goldbuchstaben unter der Dachrinne so bezeichneten „Villa Shatterhand“ des Karl May in Radebeul – der Erfinder des Winnetou trug schließlich alles zusammen, was den Ausgeburten seiner Phantasie Konturen und Handfestigkeit gab.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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