Deutsch gutt sonst Geld zuruck.
Buch von Zé do Rock (2002, Kunstmann)
Besprechung von Gitta Düperthal in der Frankfurter Rundschau, 14.10.2002:

Kauderdeutsch
Ze do Rock liest im Café Exzess auf "siegfriedisch"

Was für ein Typ mag bloß dahinter stecken? Wer in Ze do Rocks im Antje Kunstmann Verlag erschienenes Buch Deutsch gutt sonst Geld zuruck reingeschnuppert hat, ist gespannt wie ein Flitzebogen. Wer bloß produziert solch herrliche Pointen über absurde Juristereien und Behördengänge? Etwa jene, in der der Autor berichtet, wie er dereinst - während er "im sprungbeuteltierländischen Busch" (will heißen: Australien) verweilte - sein eigenes Kind habe verklagen müssen. Weil es den falschen Namen trug. Erzeuger sei nicht er, sondern sein Nachfolger bei seiner Frau gewesen. Zwar seien sich alle Beteiligten einig gewesen, aber wie die Deutschen so sind: Es habe einen Richter und zwei Anwälte gebraucht...

Wer meint, die Sache mit dem "sprungbeuteltierländischen Busch" könne abwertend gemeint sein, irrt. Ze do Rock ist eine sich quer zu allen Regeln der Kunst, vor allem aber zur deutschen Sprache stellende Persönlichkeit. Seine Lieblingsbeschäftigung ist, diese bis zur Kenntlichkeit zu karikieren. Das nennt er "siegfriedisch" oder "kauderdeutsch". Kostprobe: "Vileicht sind el auslandico deutshis irgendwann so integriert, das es unter inen weniger arbeitslose gibt denn bey de reinrassige deutshis... Das wird einige deutshis noch mer erger, weil se nich einseen, das arbeitslosigkeit kein problem is, das durch die anwesenheit von auslandis entsteht, sondern durch rationalisirung, globalisirung und andere irungen."

Da stand er nun am Samstag abend im Café Exzess in der Leipziger Straße und verunglimpfte zum großen Vergnügen der Veranstalter der "Gegen Buch Masse" die deutsche Sprache. Für seinen lustvoll auf japanisch vorgetragenen Protest über deren grammatikalische Unwegsamkeiten gab es zustimmenden Applaus vom Publikum, das sich mangels ausreichender Sitzgelegenheit auch auf den Fensterbänken vor Lachen krümmte. Die Claqueure waren keineswegs nur durchgeknallte Sprachfreaks oder Faulis (Faultiere). Jene Zeitgenossen, die schon immer klammheimlich auf die von Ze do Rock proklamierte Sprachvereinfachung gewartet haben. Etwa weil, wie dieser zum Besten gab, ein Komma dann - wie bisher zwar auch - nach Gefühl gesetzt werden könne, aber endlich ohne schlechtes Gewissen.

Es ist eine einzigartige Literaturshow, wenn Ze do Rock seinen Mix aus Dadaismus, Scharfzüngigkeit und Humor präsentiert. Und Sätze sagt wie "In der Klanghüpfhalle hörten wir die würzigen Mägde und tranken verschiedene Hahnenschwänze." Auf deutsch: "In der Disco hörten wir die Spice-girls und tranken verschiedene Cocktails." Kritikerurteil auf siegfriedisch: Man muss nicht erst ein Rauschkrautstäbchen (einen Joint) geraucht haben, um das lustig zu finden.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.fr-aktuell.de]

Leseprobe I Buchbestellung 1002 LYRIKwelt © Frankfurter Rundschau