Der Witwentröster von Marc Wortmann, 2002, Kiepenheuer & WitschDer Witwentröster.
Roman von Marc Wortmann (2002, Kiepenheuer & Witsch).
Besprechung von Jochen Förster aus Die Welt vom 2.3.2002:

Hebt die Schätze eurer Omas
Marc Wortmann betätigt sich in seinem Debütroman als "Witwentröster"

Dass im Romandebüt eines jungen deutschen Autors vorwiegend Frauen jenseits der 80 vorkommen, ist zugleich ungewöhnlich und zeitgemäß. Ungewöhnlich, weil Debütanten meist unweit ihrer eigenen Lebenswelt zu erzählen pflegen, also von Menschen ihres Alters, ihren Träumen, ihren Problemen. Zeitgemäss, weil sich diese Probleme, trotz aller stilistischen Frische, den die Jungdichter der vergangenen Jahre mit sich brachten, meist als leichtgewichtig erwiesen und auf Dauer ermüdend wirkten. Der Ruf vieler Kritiker nach mehr Vielfalt, nach mehr Abstand zur eigenen Lebenswelt war die logische Konsequenz.
Ob Marc Wortmann, 35 und hauptberuflich Schlussredakteur bei der Zeitschrift "petra" in Hamburg, derlei Kritik bewusst, wichtig oder komplett egal war, wissen wir nicht. Sein erster Roman jedenfalls bemüht sich, allein was das Alter seiner Heldinnen betrifft, um maximalen Abstand. Wortmanns Alter Ego ist 19, die anderen im Schnitt 84, seine Grundidee denkbar naheliegend. In "Der Witwentröster" schickt er einen 19-jährigen Zivildienstleistenden auf eine 20-monatige Entdeckungsreise in ein Altersheim. Und das 1985/85, zu jener Zeit also, als Wortmann selbst Zivi in einem Hamburger Altersheim war. Das klingt nach Leichtgewicht und ist es doch mitnichten. "Der Witwentröster" gehört zu den gelungensten Romandebüts der letzten Jahre. Am Leben des Teenagers ist er nicht interessiert, dafür umso mehr an den Fremden, Alten. Um literarische Effekte schert er sich nicht, er verlässt sich auf seine Geschichte, die Chronik einer seltsamen Profession. Mit feiner erzählerischer Dezenz führt Wortmann vor, dass Witwentrösten weit anspruchsvoller ist, als Laien meinen. Und als sich die Erzählung anfangs liest.....Fortsetzung

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