Der Wind und die Gardine, 2007Der Wind und eine Gardine.
Aufzeichnungen von Rani Kaluza (
2007, Frauen Museum/Literatur Atelier).
Besprechung von
Dieter M. Gräf , 2007:

Rani Kaluzas Der Wind und eine Gardine. Aufzeichnungen

Die Miniaturen von Rani Kaluza unterscheiden sich unverkennbar von der Prosa, die den Literaturbetrieb beherrscht: sie entwickeln keine Fiktion und keine Konstruktion, dienen weder der Unterhaltung noch ist es ihr Anliegen, zu beeindrucken. Es werden weder  faszinierende noch nicht faszinierende Personen entwickelt, keine Spannungsbögen einer mehr oder weniger phantasievoll erdachten Handlung - in dieser Prosa geht es immer wieder um den Moment und den Glanz, der davon ausgeht, sich auf ihn einzulassen. Eine Hummel, Krähen oder das Glitzern auf dem Wasser - das sind die "Helden" dieser Literatur, sowie der alltägliche Leser, der bereit ist, sich auf das einzulassen, was gerade da ist. Da wir just die Gegenwart, also die Wirklichkeit, zumeist zukleistern mit dem, was wir uns wünschen oder dem, was womöglich war, mit unseren Projektionen und Aufbauschungen, ist eine Literatur selten, die dem gegenläufig ist. Katrin Kaluza schafft poetische Prosa-Meditationen, die aus der geduldigen Beobachtung Sprache schöpfen, und aus ihren Überlegungen, die von solchen Wahrnehmungen ausgehen. Indem sie versucht, dem Alltäglichen treu zu bleiben, gelingen ihr Sprachfolgen, die aus dem Klischee hinausführen und insofern ganz unalltäglich sind, zart und ungewohnt. Denn jeder Moment ist eine Chance für uns, zu erkennen, dass er unvergleichlich ist. Mit Siebenmeilenstiefeln läuft man an den Milimetern, die die Welt berühren, vorbei. Katrin Kaluza hingegen versucht, solchen Stiefelschritten etwas entgegen zu setzen. "Und die Zauberformel zum Öffnen des Berges", schreibt sie, "lautete nicht Simsalabim oder Abrakadabra, sondern: Ich weiß es nicht oder ich habe keine Ahnung."

Leseprobe I Buchbestellung 1107 LYRIKwelt © Dieter M. Gräf