Der Weg vom Bild von Paul Bellebaum, 2009, MöllmannDer Weg vom Bild zum Wort.
Untersuchungen zur Lyrik von Konrad Weiß von Paul Bellebaum (2009, Verlag Ch. Möllmann).
Besprechung von Michael Starcke für LYRIKwelt.de, März 2014:

Der Name Konrad Weiß steht im Lexikon der Weltliteratur und manche, die es wissen müssen, beklagen, dass das Werk des Dichters nicht die Beachtung findet, die ihm gebührt.

Zu diesen darf wohl auch Paul Bellebaum gezählt werden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Licht in diese vermeintlich dunklen, oft als hermetisch betrachteten Gedichte zu bringen, will bedeuten, “eine Einführung zu den Dichtungen“ zu versuchen. Warum sich Paul Bellbaum dieser Mühe unterzieht, kann man nach der oft nicht einfachen, aber lohnenden Lektüre am Ende des Buches nicht schwer verstehen. Es ist womöglich die „innere Biografie“ des Dichters Konrad Weiß, in der sich Paul Bellebaum im eigenen Selbst zu erkennen glaubte, es ist  „der theologische Gehalt der Bild-Wort-Thematik“ des Dichters Konrad Weiß, unverbrüchlich verbunden mit seiner „metaphorischen Redeweise“, dem bildhaften Sprechen.

Paul Bellebaums Ansatz, die Dunkelheit der Weißchen Lyrik aufzuhellen, ist die Zuhilfenahme der theoretischen Schriften des Dichters, um die Programmatik oder besser die Losung dieses Werkes „Weg vom Bild zum Wort“ erläutern zu können und Grundzüge der Gedichte verständlich zu machen, sie zu deuten und zu interpretieren.

Im Ergebnis fand Paul Bellebaum fünf Punkte, die den Zugang zu den Gedichten erleichtern oder letztendlich erst möglich machen.

1.) „Die Formel“ „Weg vom Bild zum Wort“ benennt die Aufgabe und Form der christlichen Kunst, wie Konrad Weiß sie verstanden wissen will, als die einzig mögliche Kunst, die Kunst der „Menschwerdung“, die er in seiner Lyrik umsetzt.

2.) Somit ist diese Lyrik eine weltanschaulich gebundene, die vor allem und in erster Linie „christophorische Aktion“ sein möchte.

3.) Diese Lyrik ist zudem Programmlyrik, deren Ziel es kurzgesagt ist, die mittelalterliche Figuralkunst wiederherzustellen und das in ihr zum Ausdruck kommende Weltverständnis.

4.) Dieser Wille zur Wiederherstellung des mittelalterlich-christlichen Seinsvollzug verleiht der Weißchen Lyrik den Charakter der Zeitgebundenheit.

An dieser Stelle wären verschieden Schaffensperioden des Dichters zu erwähnen, in welchen er einmal sein Anliegen gelungen, dann aber auch wieder schwinden sieht wie in den Gedichten des Jahres 1939, in denen der „Weg“ zu dem zu Erreichenden als vergebliche Mühe endet.

5.) Dadurch, dass die Gedichte vom Schicksal des „Weges“ in einer bestimmten Zeit handeln, handeln sie auch von sich selbst. Die zentrale Metaphorik meint also nicht nur etwas, das außerhalb der Gedichte existiert, sie verbildlicht auch die Sprache der Gedichte, womit diese Lyrik als absolut bezeichnet werden kann und muss.

Nicht ohne Bescheidenheit schreibt Paul Bellebaum, dass, um zu einer wirklich angemessenen Interpretation der Weißschen Gedichte zu kommen, wesentlich mehr Gedichte untersucht werden müssten als die in seinem vorliegenden Buch.

Ihm ist immerhin ein erstaunlicher Einstieg und ein Ansatz gelungen, der von anderen beispielhaft und enthusiastisch weiterverfolgt werden könnte. Paul Bellebaum ist dies leider nicht vergönnt, denn er starb am 30. 09. 2006.

Meinem Verständnis nach ist dieses Buch für alle Interessierten ein notwendiges, ein Schicksalsbuch, das die Beschäftigung mit den Gedichten von Konrad Weiß für Paul Bellebaum mit sich brachte.

Als Schlusssatz möchte ich, gerade der Wertschätzung dieses Buches gegenüber, ein verkürztes Zitat wiedergeben, das trotz des berechtigten und intensiven Forschens   auch ein Grund für die Faszination Paul Bellebaums an den Gedichten von Konrad Weiß gewesen sein wird. Es stammt von Soergel-Hohoff und wird im Buch erwähnt: „Der volle Sinn seiner Gedichte (der von Konrad Weiß) erschließt sich erst über die Sinne.“             

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