Die Verlobte des Achilles.
Roman von Alki Zei (1991, Romiosini-Verlag).
Besprechung von Hartmut Barth-Engelbart vom 19.12.2001:

Demontage linker Heldenmythen
Alki Zei: Die Verlobte des Achilles

Ein stark autobiographisch geprägter Roman, der von der erzählerischen Dichte und der filmischen Dramaturgie her die Frage aufwirft, warum er in einem fast unbekannten Verlag erschien. Alki Zei, griechische Schauspielerin und Kinder- und Jugendbuchautorin hat ihn Anfang/Mitte der achtziger Jahre geschrieben, lange bevor auch im linken Spektrum "Wendeliteratur" zum Trend wurde. Sie legt Weltgeschichte offen, von unten nach oben. Ihre Authentizität , ihre liebevoll solidarische Demontage meist männlicher Revolutionsheldenkulte passt dabei weder in den mainstream der US-Griechen mit ihren Greuelmärchen über die Verschleppung griechischer Kinder in die UdSSR ("Eleni") noch in die Schublade Leonhardt'scher Dissidenten "Die Revolution frisst ihre Kinder", die den kalten Krieg per "Radio Free Europe" munitionieren druften und weiter dürfen, weil er noch längst nicht zu Ende ist.

Die 1927 in Athen geborene Autorin kämpfte im Widerstand gegen die deutsche Besatzung 1941- 1944, in linken Kampftruppen im anschließenden Bürgerkrieg, folgte ihrem Mann, dem Regisseur Jorgos Sewastikoglu ins sowjetische Exil nach Taschkent. 1964 kehrte sie nach Griechenland zurück, konnte sich 1967 vor der Deportation auf die KZ-Inseln ins Pariser Exil retten. Erst 1981 kehrte Alki Zei endgültig (?) nach Athen zurück. In ihrem Roman "Der Verlobte des Achilles" verarbeitet sie die Erfahrungen aus Illegalität und Exil, beschreibt die Innenverhältnisse kommunistischer Organisationen aus dem Blickwinkel zwischenmenschlicher Beziehungen, die verheerende Wirkung von Hammer und Sichel wo zumindest feinmechanisches Werkzeug benötigt würde. Die Forschung nach Lenins Intelligenz vermittels elektronenmikroskopischer Analyse seines zu Salamischeiben aufgeschnittenen Gehirns hat ebenso viel mit dialektischem Materialismus zu tun wie die Bestimmung und Erfüllung der Liebe zwischen zwei Menschen durch die Beschlüsse des 11. Parteitages der KpdSU und die Direktiven Josef Stalins. Der Roman schafft es historische Notwendigkeiten trauernd, aber nicht weinerlich zu bejahen und gleichzeitig klar und schroff mit Fehlern und Verbrechen, bzw. den sie produzierenden Strukturen abzurechnen. Alki Zei denunziert nicht, sie entkleidet den Widerstandshelden (auch weil sie ihn liebt) seiner stalinistisch-realistisch-kitschigen Denkmalspose und zum Vorschein kommt ein verstehbarer, fehlerhafter, schlag- und hassbarer, liebenswerter Mensch. Ein so wieder für Normalos erreichbares Vorbild. Und kein Held.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.barth-engelbart.de.vu]

Leseprobe I Buchbestellung 0203 LYRIKwelt © Hartmuth Barth-Engelbart