Der Uni-Roman von Manuel J. Hartung, 2007, PiperDer Uni-Roman.
Roman von Manuel J. Hartung (2007, Piper).
Besprechung von Rolf-Michael Simon aus der NRZ vom 1.06.2007:

Vergnüglich - doch es geht auch anders
Liebevolle Beobachtungen des ganz alltäglichen Uni-Wahnsinns, zum Beispiel in Bonn.

Natürlich ist es (k)einelove-story. Und ebenso natürlich hat die (k)ein Happy-End. - Das ist paradox? Mag sein. Vielleicht. Aber diesen möglichen Widerspruch muss jeder Leser schon für sich selbst lösen. Was nicht schwerfallen wird, handelt es sich doch um einen höchst unterhaltsamen kleinen Roman. Man möchte gleich die weibliche Hauptperson Anna zitieren, die ihn ganz bestimmt "vergnügungsvoll" genannt hätte. Ja, sie sind tatsächlich reines Vergnügen. Für den Leser. Für Ich-Erzähler Markus nicht immer. Er ist Erstsemester an der Uni Bonn, 20 Jahre jung und studierwilliger Aspirant auf einen Bachelor-Abschluss in Politik. Ein Fach, vor dem ihn alle gewarnt haben, auch seine Spät-68-Eltern, deren antiautoritäres Gehabe nicht nur ihm gefährlich auf den Senkel geht. Er hat sie daheim gelassen und ist jetzt in Bonn. Um zu studieren. Das tut er. Und mehr. Macht Bekanntschaften. Mit der Massen-Uni, mit der Mensa, mit Seminar-Anmeldungen. Wer zu spät kommt, den bestraft auch hier das Leben. Oder belohnt ihn damit, eine ungewöhnliche Kommilitonin zu treffen. Eben Anna. Anna Schnitzler, mit dem Arthur gleichen Namens nicht verwandt. Und schon hier, keine zehn Seiten sind gelesen, zeigt sich der Charme dieses Buchs. Es ist die ebenso präzise wie liebevolle und doch leidenschaftslose Beobachtung von Menschen und Situationen. Ob dummdreister Kommilitone oder lustlose Dozentin, ob Individuum oder Menge, völlig egal. Natürlich gehts dabei nicht ohne Klischee ab. Da ist "Scheitel", ein inkompetenter (nein, nicht inkontinenter, siehe S. 17) Verbindungsstudent, an dem nur eins links ist - sein Scheitel. Oder Maik, der "Chekka", der im 21. Semester noch nicht alles richtig checkt. Da ist der frustrierte Privatdozent, der sich mit Lehrstuhlvertretung über Wasser hält und nur unter Alkohol, viel Alkohol ehrlich wird. Da sind gute Freunde, da sind miese Streber, da sind, natürlich, auch verschiedene Kommilitoninnen.

Meinste, Paris Hilton gibt ne Runde Champagner aus?

Es ist "nur" ein Mikrokosmos, aber ein Kosmos, eine ganze Welt. Aufgeteilt in Teilwelten. In einer, beispielsweise, trägt "Mann" bevorzugt Hemden "mit kleinem Reitersymbol". Und "Sie" Perlen... und zahlt beim Friseur 104 Euro. Einfach köstlich, ohne jede Überheblichkeit, aber detailgenau und witzig. Antwort auf Markus Frage, ob sich tatsächlich eine unüberschaubar scheinende Menschenmenge zum Seminar anmelden will: "Meinste, Paris Hilton gibt hier gleich ne Runde Champagner aus, oder was?"

Und dann ist da noch das Innenleben, das immer stärker um einen Mittelpunkt kreist, um Anna. Das alles verwoben zu einem Kaleidoskop, in dem Augenblicksaufnahmen aus einem eigenen Studentenleben immer wieder aufblitzen werden. Wer sich nach der Lektüre nicht gleich wieder immatrikulieren möchte - dem ist wirklich nicht zu helfen. (NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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