Der
Teufel hat den Blues verkauft.
Gedichte von Martin
Dragosits (2007, Arovell).
Besprechung von Wolfgang Kühn in DUM
- Das alternative Magazin, 2007:
Schon einmal gezockt in einem
Nullsummenspiel?
Können stumpfe Messer wählen, was sie tun?
Ist ein Herzinfarkt am Strand gerecht?
Martin Dragosits und seine Lyrik warten mit vielen Fragen auf, "meine
Antworten", erklärt er im Gedicht "Fischteich, (vom Rezensenten etwas aus dem
Zusammenhang gerissen), "sind kleine Fische im Vergleich zu den Fragen …"
Doch Martin Dragosits stellt nicht nur schöne Fragen, er formuliert auch schöne
Sätze wie "Veränderung ist die einzige Konstante" oder "Jede Wüste hat ein Ende
an dem Wasser entspringt" oder der vielleicht schönste Satz des Buches "Das
Bildnis der Eltern ist eine selbst gefaltete Papierschlange". Der rote Faden,
der sich durch die 139 Gedichte in "Der Teufel hat den Blues verkauft" (schönes
Cover!) zieht, ist - abgesehen von den vielen offenen Fragen -, dass es
eigentlich keinen solchen gibt. Der Autor zeitreist durch die Geschichte wie ein
Besessener. Mal befinden wir uns in Troja, mal begegnen wir Lee Harvey Oswald,
dann wieder Robin Hood (auf den Vierzeiler am Schluss könnte man verzichten!)
oder Egon Schiele (eines der besten Gedichte!) oder vielen anderen …
Ganze Geschichten in Gedichten
Aus der Biographie des Autors, Geburtsjahr 1965, erfahren wir, dass er nach
anfänglichen literarischen Versuchen und einer anschließenden, berufsbedingten
Schreibpause von fünfzehn Jahren, sich seit 2002 wieder vermehrt dem Schreiben
widmet - wenig verwunderlich, dass die Zeit, die neben Beruf (Projektmanager und
Teamleiter in der Informatik eines Finanzdienstleiters) und Familie
(verheiratet, zwei Kinder) bleibt, "nur" für kurze Formen, sprich Gedichte
reicht: Das merkt man den Gedichten auch an, nein, nicht negativ, denn Martin
Dragosits versucht mitunter ganze Geschichten in seine Gedichte zu packen, wohl
auch, weil ihm einfach die Zeit fehlt, diese Geschichten in episch breiter Form
wieder zu geben.
Inhaltlich gewähren uns die Gedichte, wenn der Autor nicht gerade durch die
Geschichte düst, eher einen Einblick in seine Berufserfahrungen, denn in sein
Privatleben. Nur ganz selten, wie in "Versuche ein Gedicht zu schreiben"
erfahren wir etwas aus dem Privatleben des Autors. Der "steife Schwanz" im
Gedicht "Rollenverhalten" wirkt da fast verloren. In vielen Gedichten schimmern
Begriffe wie Gesetz, Norm, Physik, Chemie oder Wirtschaft durch, Gefühle werden
(leider) oft nur aus der Ferne vermittelt, dabei könnte es der Autor ganz gut.
Denn wer wagt schon "In mir ist Sternenstaub" von sich zu behaupten?
Hat Karma ein Ablaufdatum?
Mit welchen Mitteln will ich mich erreichen?
Wem nützen meine Gedichte?
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