Der Tannenbaum.
Weihnachtsmärchen von Susanna Tamaro (2009, C. Bertelsmann).
Besprechung von Maren Schürmann in der WAZ, vom 30.11.2009:

Das Wunder des Eichhörnchens
Susanna Tamaro, die Autorin von „Geh, wohin dein Herz dich trägt”, hat ein rührendes Weihnachtsmärchen geschrieben, das die Zeit ein wenig stillstehen lässt: „Der Tannenbaum – Das Märchen einer Freundschaft”.

Es ist noch nicht mal Dezember, da starten wir bereits den Weihnachts-Marathon: Was schenken wir, was kochen wir, wie schmücken wir? Wie gut, dass es Bücher gibt, die die Zeit stillstehen lassen, wie das Buch von Susanna Tamaro: „Der Tannenbaum – Das Märchen einer Freundschaft”.

In dieser Weihnachtsgeschichte erzählt sie, wie sich ein Baum von einem kleinen Samen in eine stattliche Tanne verwandelt – und dabei auch die Sehnsucht wächst. Wenn er doch nur als Schiffsmast durch die Meere ziehen könnte . . . Doch dann kommen die Männer mit der Motorsäge.

Aus dem Winterschlaf geweckt

Wie gut, dass die Tanne einen Freund hat. Krick, das Eichhörnchen, wächst einem schnell ans Herz, als er im Dezember aus dem Winterschlaf erwacht. Dabei hatte Krick extra auf die Walnussblätter verzichtet, „deren penetrantes Aroma ihm einen nur leichten Winterschlaf voller Albträume beschert hatte.”

Erst eine Taube macht ihm begreiflich, wo er nun zusammen mit der Tanne gelandet ist: mitten auf dem Petersplatz in Rom. Nur ein Wunder könne den Baum noch in den Wald zurückbringen, wo seine Wurzeln geblieben seien. Ein Wunder? Krick weiß nicht genau, was das ist. Aber er weiß, dass er es unbedingt haben will, um seinen Freund, den Baum, zu retten.

Rührend, ironisch und entlarvend

Susanna Tamaro schreibt sehr rührend. Dann ist sie ironisch und entlarvend. So muss man unweigerlich über die Birken und Lärchen schmunzeln, die ihren Neid auf die makellose Tanne hinter kleinen Lästereien verstecken: „Sehr ungut, ausladene Zweige zu haben, aber kein Hirn.”

Dieses schöne Geschenkbuch über Freundschaft hat nur eine Nebenwirkung: Dieses Jahr wird man beim Kauf seiner Tanne ein schlechtes Gewissen haben. Zum Glück gibt es ja auch Weihnachtsbäume mit Wurzeln.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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