Der Tag braucht das Licht, ich nicht von Klaus Märkert, 2015, EisenhutDer Tag braucht das Licht, ich nicht.
Prosa von Klaus Märkert (
2015, Eisenhut Verlag).
Besprechung von Michael Starcke für LYRIKwelt.de, April 2015:

Das Leben ist nun mal kein Liebesfilm

Das Buch „Der Tag braucht das Licht, ich nicht“ ist eine neue erweiterte Auflage von Erzählungen und Geschichten des bekannten Bochumer Autors Klaus Märkert, der in seinem Leben schon einiges Ungewöhnliches getan und erlebt hat, ein gelernter Diplom-Sozialarbeiter, der als Musikredakteur arbeitete und bis heute angesagt als DJ ist. Der Taxifahrer war, Leiter von Kreativen Schreibkursen und Videofilmer. Und dessen Romane und Erzählungen, zusammen mit neuen Texten, sorgfältig editiert und ausgestattet, im kleinen, aber feinen Eisenhut Verlag wieder aufgelegt werden, eine gute, respektable und richtige Entscheidung.

Beim Lesen der hier versammelten Erzählungen und Geschichten hat der geneigte Leser immer in dem Maß etwas zu lachen, indem sie, wie es in einer von ihnen  heißt „aberwitzig, skurril, haarsträubend“ daher kommen mit einer Flut unglaublicher Einfälle, witzig, komisch und immer, denkt man, trotz allem Surrealen und Groteskem nah am Leben, verrückt, wie man es auch am eigenen Leben schon erlebt hat und das Bewusstsein dafür empfänglich ist, dass alles möglich und nichts unmöglich ist, wovon der Autor lakonisch, bisweilen auch zynisch, berede Zeugnis abzulegen versteht.

Unverbraucht ist seine Sprache, auf eindringliche Art und Weise jeder einzelnen Geschichte bis in Slang und Wortlaut angepasst.  Damit gelingt es Klaus Märkert, die Hintergründe der Geschichte geschickt aufzuschlüsseln und ihre Verläufe atmosphärisch dicht, spannend und unterhaltsam zu erzählen und seine Leser mit unerwarteten Umkehrungen und Wendungen bis zum oft überraschenden Schluss zu überzeugen. Dabei bleibt man nicht immer als lachender Dritter, sondern auch mal betroffen und nachdenklich zurück, ohne dass der Spaß an der Lektüre geschmälert würde, eher im Gegenteil. Man fühlt sich ertappt und kann es zwanglos und unumwunden zugeben, ohne konsterniert oder verärgert zu sein. Wundersame Überschriften tragen die Geschichten des Autors wie etwa „Vier Fäuste und kein Finger“ oder „Catwoman im Wartezimmer“ oder „Bäuerin sucht Dark Waver“. Dahinter verstecken sich, Schicksale, gewöhnliche und ungewöhnliche Menschen, eben welche wie du und ich, Lebensentwürfe, abgefahrene Liebesdinge oder auch Thrillern ähnliche Kriminalgeschichten, Absurdes aus Gesellschaft und Politik.

Da gibt es Arbeitslose, Schriftsteller, „Fremde Wäsche“, Schrebergärtner, „Gisbert Demut“, einen Hobby-Zauberer, Mörder, Tod und Leben, einen „Kater mit dem Antlitz des Führers“, Stellensuchende , „Nazikram“, „Allerweltsdinge“ und immer wieder auch unglaubliche und rätselhafte Frauen wie Caro, die Kripopunkerin, eine Wissenschaftlerin, die zum Riesenhuhn mutiert, Lenja, die arbeitslose Theaterschauspielerin, eine Bäuerin, die das Outfit eines Dark Wavers mit einem Fetischkostüm identifiziert oder „Elena“.

Klaus Märkert kennt sich aus in der Psyche seiner Figuren und entlarvt sie, ohne ihnen ihre Würde zu nehmen. Er ist ein guter Beobachter mit einem „Overkill an Eindrücken“, die er trotz allem schwarzen Humors, dem man sich bei aller Pervertierung, im Heute zu leben und zu überleben, nicht unbeeindruckt entziehen kann, mitfühlend und sensibel einzusetzen versteht.

„Heute so und morgen nicht so, “ schreibt er und von der „Flirtschule des Lebens“. Er hat seinen eigenen, unnachahmlichen und unbedingt lesenswerten „Schreibsound“ gefunden, ohne dass er wie eine seiner Figuren verpflichtet werden müsste, eine „Lachgarantie“ abzugeben, mittendrin in der Szene, in der musikalischen ebenso wie in der absurden des täglichen Lebens

In einer seiner Geschichten steht der Satz: „Mehr Herzschmerz gepaart mit Verstand geht nicht.“ Den Schmerz lasse ich weg und möchte aus meinem persönlichen Eindruck seiner Literatur formulieren: „Mehr Verstand gepaart mit Herz“ geht nicht.“ Diese Literatur, denke ich, hat aufmerksame Leser und Anerkennung verdient.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ]

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