Der Stand der Sonne von Ranya Paasonen, dtvDer Stand der Sonne.
Roman von Ranya Paasonen (2004, dtv - Übertragung Stefan Moster).
Besprechung von
akd in der Neue Zürcher Zeitung vom 4.12.2004:

Poesie der Elemente

«Mein Vater war aus Feuer, und meine Mutter war aus Wasser.» Was es bedeutet, aus zwei Elementen geboren zu sein und das Erbe zweier völlig verschiedener Kulturen in sich zu tragen, erzählt der autobiografisch geprägte Débutroman der jungen finnischen Autorin Ranya Paasonen, «Der Stand der Sonne» . Ihr Vater ist Ägypter, die Mutter stammt aus Finnland: Grösser, so scheint es, könnten die Gegensätze kaum sein. Paasonens Roman ist, jenseits von Klischees über dieses Thema, ein poetisches Mosaik aus Erinnerungsbildern der Kindheit und Reflexionen über das Erwachsenwerden und kreist dabei stets um den «historischen» Moment der ersten Begegnung der Eltern auf einer Zugreise in Ägypten. Mit ihrer musikalischen Sprache, die sich durch träumerische Leichtigkeit und eine rhythmische Wiederholungsstruktur auszeichnet (in der gelungenen Übersetzung von Stefan Moster), zieht die Erzählung den Leser von Anfang an in Bann, lässt Farben, Gerüche und Geräusche von Norden und Süden lebendig werden und schafft so einen nahezu magischen Zugang zur Wirklichkeit. Fremdheit und Vertrautheit, Nähe und Ferne werden schliesslich zu Variablen, denn bei Paasonen gibt es keine klaren Zuordnungen, kein Entweder-oder. Die Unvereinbarkeit beider Kulturen, die, Heimatlosigkeit und Reichtum zugleich, doch in der Figur der Erzählerin miteinander verschmelzen, macht den Basso continuo dieses lesenswerten kleinen Romans aus.

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