Der Schriftsteller Johannes Freumbichler von Bernhard Judex, 2007, Böhlau

Der Schriftsteller Johannes Freumbichler.
Leben und Werk von Johannes Freumbichler (2006, Böhlau Verlag, hrsg. von Bernhard Judex).
Besprechung von
Jdl in Neue Züricher Zeitung vom 24.02.2007:

Thomas Bernhards Grossvater

Mit seinem Roman «Philomena Ellenhub», der Salzburgs bäuerliche Welt mit drastischem Kolorit an der Schwelle zwischen naturnaher Harmonie und bedrohender Moderne dargestellt hat, ist Johannes Freumbichler 1937 beinahe berühmt geworden. Den Förderungspreis zum österreichischen Staatspreis hat der in entsagungsvoller Armut lebende und von Carl Zuckmayer geförderte Schriftsteller bekommen, doch wirklich gepriesen wurde er erst von seinem Enkel. Wenn jetzt eine umfangreiche Biografie zu Johannes Freumbichler erscheint, dann ist der Zusatz unvermeidbar: «Der Schriftsteller Johannes Freumbichler, 1881–1949. Leben und Werk von Thomas Bernhards Grossvater». So nennt Bernhard Judex etwas umständlich sein Buch, das mit seinem beeindruckend umfassenden Material nicht nur einen zutiefst Zerrissenen der österreichischen Literatur porträtiert, sondern auch dessen Nachleben in Thomas Bernhards Literatur. Misanthropische Patriarchen, die an einem grossen Werk, welcher Art auch immer, arbeiten, gibt es bei Thomas Bernhard zuhauf. Die Bernhardschen Genauigkeitsfanatiker und Künstlerexistenzen haben im Grossvater ein lebendes Beispiel. Dass eine subtile Genealogie dafür gesorgt hat, dass der ihm zugeneigte Enkel in manchem wie der Grossvater wurde, wird in Bernhard Judex' keineswegs hagiographischer Studie aufs Beste deutlich. «Sein Jähzorn und Eigensinn ist über alle Massen gross», schreibt Johannes Freumbichler über den fünfjährigen Thomas Bernhard. Er mache «ein Getümmel, dass das ganze Haus rebellisch wird».

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