Der schöne Hauptmann von Menis Koumandareas, FVA, 20011.) - 2.)

Der schöne Hauptmann.
Roman von Menis Koumandareas (2001, FVA - Übertragung Gertrud Steiner).
Besprechung von
Patrik Landolt, Wochenzeitung, Zürich vom 4.10.2001:

Menis Koumandareas lässt im Roman «Der schöne Hauptmann» einen pensionierten Rat des Verwaltungsgerichtshofes die Geschichte eines jungen Hauptmannes, dem das Militär die Karriere vermasselt, erzählen. Der Rat lernt den Hauptmann kennen, als er dessen Rekurse wegen Nichtbeförderung behandeln muss. Während eines Jahrzehnts entwickelt sich eine wohl distanzierte, aber doch von gegenseitiger Anziehung geprägte Beziehung zum Hauptmann. Fasziniert von dessen Jugend, Schönheit, Unschuld und ungebrochenem Enthusiasmus vertritt der Rat die Rekurse des Hauptmanns gegen das Militär. Obwohl der Gerichtshof die Rechtsakte der Armeeobrigkeit immer wieder annulliert und somit die Klagen gutheisst, verschlechtert sich die Lage des Hauptmanns in der Armee von Rekurs zu Rekurs. Letztlich ergraut der einst stolze und schöne Hauptmann in den Fluren der Ämter zu einem gramgebeugten, geistig angeschlagenen Menschen. Menis Koumandareas (geboren 1931), der als Vertreter des sozialen Realismus in der griechischen Prosa gilt, schrieb «Den schönen Hauptmann» zwischen 1972 und 1982. Der Roman schildert detailreich die Atmosphäre Griechenlands während den sechziger und frühen siebziger Jahren: das hektische innenpolitische und wirtschaftliche Klima vor dem Staatsstreich, das Wachsen Athens zum Moloch, der verkommene Zustand einer von Rechtsextremen dominierten Bürgerkriegsarmee, die Kämpfe der Linken, Liberalen, Arbeiter und Studenten für Demokratie und dann die Lähmung während der griechischen Militärdiktatur. Der schöne Offizier personifiziert nicht die Geschichte eines Opfers staatlicher Bürokratie, sondern er ist das Symbol einer verlorenen Generation, der die Obristen jegliche Chancen für ein freies, selbstbewusstes Gestalten und Leben geraubt haben.

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Der schöne Hauptmann von Menis Koumandareas, FVA, 20012.)

Der schöne Hauptmann.
Roman von Menis Koumandareas (2001, FVA - Übertragung Gertrud Steiner).
Besprechung von
Alexander von Bormann, Die Welt vom 2.2.2002:

Das ist das Los der Helden
Menis Koumandareas beobachtet in seinem Roman die Zerstörung eines allzu hübschen Hauptmanns

Es ist eine alte Geschichte, und doch ist sie immer neu: der Untergang des Schönen auf dieser Erde. "Siehe, da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle" - so bedichtete Schiller den Tod des Achill. Der Roman des Menis Koumandareas handelt davon, dass heute kaum mehr Aufhebens hiervon gemacht wird. Der Tod sieht auch anders aus, hat kein heroisches Gesicht mehr, sondern ein bürokratisches, sogar beim Militär. Koumandareas erzählt vom Sterben vor dem Tod. Sein Held, ein junger Offizier, dem das geschieht, erlebt also ein ganz zeitgenössisches Schicksal. Zugleich aber ein mythisches. Indem wir ihn kennenlernen, ahnen, ja wissen wir, dass wir nicht auf einen guten Ausgang rechnen dürfen.

Dem Erzähler, einem Rat am Obersten Gericht in Athen, fällt ein Hilfesuchender auf, der gar nicht wie ein solcher wirkt, "ein schlanker, groß gewachsener junger Mann", schmuck und selbstbewusst: "Sein Schritt auf den fahlen, stumpfen Korridorfliesen war forsch. Er strotzte vor Lebenslust, die in ihrer ersten Blüte stand", ist "von außerordentlich schöner Gestalt", sehr "männlich und zugleich jugendfrisch". Seine Stimme "war wohltönender, als man es von einem Offizier erwarten würde, und sie hatte etwas Unbekümmertes, was mit seiner Uniform nicht recht vereinbar war".

Die Anmut und die Selbstsicherheit entspringen "ganz tief drinnen in der Seele des jungen Mannes", und die weiteren Beschreibungen zeigen einen natürlichen Adel, der ihn bezwingend über seine Kollegen hinaushebt. Was führt ihn zum hohen Gerichtshof? Er wird nicht befördert, seine Akte vermerkt: "Lebhaft und nicht genügend diszipliniert, zu Diskussionen neigend". Er hat Neider in der Armee, bei den Vorgesetzten. Es beginnt eine antike Tragödie ohne fassbare Gegner, das Zermürben einer Schönheit, die provoziert, mit der man sich keinen Rat (mehr) weiß....Fortsetzung

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