Der Schlüssel zu allen Geheimnissen von Edith Södergran, 2002, Gemini

Nyckeln till alle hemligheter/Der Schlüssel zu allen Geheimnissen.
Gedichte 1907-22 von Edith Södergran (
2002, Gemini-Verlag - Übertragung Klaus-Jürgen Liedtke).
Besprechung von Paul Alfred Kleinert, Berlin-Kreuzberg
an Halloween, 2004:

Mit den Gedichten der Irene Edith Södergran erfolgte eine Zäsur in der Dichtung im Norden Europas: allgemein wird in der Literaturgeschichte mit dem lyrischen Werk der 1923 mit 31 Jahren in Raivola / Karelien an TBC gestorbenen Dichterin der Beginn der Moderne in Skandinavien verbunden.

Ein viertel Jahrhundert nach dem Erscheinen der deutschen Gesamtausgabe der Gedichte der Södergran bei Limes in München und 13 Jahre nach der letzten größeren Auswahl von Gedichten und Briefen  bei Reclam in Leipzig hat der in Berlin beheimatete Gemini Verlag im  Jahr 2002 einen Band mit Gedichten  in einer sorgfältig edierten zweisprachigen Ausgabe und, im darauf folgenden Jahr, einen mit Briefen, beide in schöner Aufmachung (Festeinband, Fadenheftung mit Lesebändchen und auf gutem Papier gedruckt) herausgebracht:

Der Schlüssel zu allen Geheimnissen/ Nyckeln till alla Hemligheter - Dikter/ Gedichte 1907-1922 in der Übertragung  von Klaus-Jürgen Liedtke, dessen eigenes dichterisches Schaffen  den Übertragungen zu Gute kommt und, in guter Ergänzung, das Bändchen Briefe  Scharf wie Diamanten in den Übertragungen Sieglinde Mieraus (die, ebenso wie Liedtke,  bereits an der Leipziger Ausgabe von 1990 beteiligt war) und Liedtkes (der auch für die  Herausgabe des Bandes verantwortlich zeichnet).

Die zarten und doch kraftvollen Gebilde der Södergranschen Gedichte  halten in der deutschen Nachdichtung Liedtkes ihren Ton, die stille und feine Diktion des Originals findet in den vorliegenden Übertragungen ihren Widerhall.

Die dem Band beigegebene Skizze Gunnar Ekelöfs Die Landschaft von Edith Södergrans Dichtung bildet zudem einen gelungenen Ausgang des Bandes.

Die Briefe geben einen Einblick in die Lebenswelt der Södergran, lassen den (die) Leser(in ) teilnehmen an der Lebensbewältigung der Frau: an ihrer Lektüre, ihren Träumen, emotionalen Widerständen, an aufkommenden Zweifeln am eigenen Werk und den Kämpfen um Annahme und Durchsetzung desselben - vor sich selbst und vor anderen, an eigenen Gedankengängen und deren durch Lektüre rezipierten Widerpart sowie an Gedankensplittern zu apperzipierter Philosophie (wobei Nietzsche eine herausragende Rolle spielt); all’ das verbunden mit  zwischenzeitlichen Einsprengseln des unmittelbaren Lebensumfeldes (wie etwa die sich durch das Umfallen eines Zaunes bei einem Sturm ergebende Verbindung des Anwesens der Södergrans zum dem Haus angrenzenden Friedhof), Auseinandersetzungen mit dem anthroposophischen Werk Steiners, Druckzuschussüberlegungen für ihre Bücher und -immer wieder- briefliche Ansprachen an ihre Freundin Hagar Olsson.

Kurz, ein Gang durch den Mikrokosmos der Södergran wird dem (der) Leser(in) möglich, die hin und wieder eingefügten Photographien bringen einem Lebensumfeld und –umstände  zusätzlich nahe, der Band Briefe bietet eine gute Illustration der Umstände, unter denen die Södergranschen Gedichte entstanden sind, wiewohl für sich stehend. Herausgeber, Übersetzer(in) und Verlag haben mit dieser schönen Ausgabe der Dichterin einen neuen, interessanten und würdigen Übertrag in den deutschen Sprachraum geschaffen.

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