Der Schatten von Petra Hammesfahr, 2005, WunderlichDer Schatten.
Roman von Petra Hammesfahr (2005, Wunderlich).
Besprechung von Claudia Hötzendorfer aus der NRZ, Düsseldorf vom 22.09.2005:

"Ich nehme meine Figuren mit ins Bett"
Psychothriller-Autorin Petra Hammesfahr liebt Abgründe in der Kleinstadt.

"Ich glaube, Krimiautoren sind die sanftmütigsten Menschen überhaupt, weil sie ihre Phantasien am Computer ausleben können", stellt eine fest, die es wissen muss. Petra Hammesfahr gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Autorinnen von Psychothrillern.

Dass sie letztere verfasst, darauf besteht Petra Hammesfahr. Profane Krimis in denen ein Polizist oder Gerichtsmediziner Fälle knackt, sind nicht ihr Ding. Ihr liegen die vertrackten Geschichten, in denen sie die Abgründe hinter bürgerlichen Fassaden beleuchtet, in scheinbar heile Welten das Grauen einziehen lässt.

Der Stoff liegt vor der Haustür

In ihrem neusten Werk "Der Schatten" verlangt die Autorin ihren Lesern viel Konzentration und Kombinationsgeschick ab. "Ich habe drei Erzählstränge und verschiedene Zeitebenen eingebaut", verrät die dreifache Mutter und testet gleich die Interviewerin auf ihr Detailwissen. Petra Hammesfahr hat ein unglaubliches Gedächtnis. Sie kann aufs Stichwort ganze Passagen ihrer rund 20 Bücher wiedergeben, ohne lange überlegen zu müssen. "Ich nehme meine Figuren mit ins Bett, das findet mein Mann nicht wirklich toll", lacht sie. Ihre Geschichten spielen durchweg in Kleinstädten und Dörfern. "Dieser Neid und diese Missgunst, die hier im Kleinen gedeiht, ist herrlich. Und die Charaktere, die Sie hier treffen, sind einmalig", schwärmt sie. Beispiele findet sie direkt vor der Haustür, denn sie lebt in der kleinen Ortschaft Kerpen bei Köln und ist in der Provinz aufgewachsen.

In alle Bücher fließen auch immer eigene Ängste und Erlebnisse ein. "Ich war mit einem Alkoholiker verheiratet, hatte eine extrem anstrengende Schwiegermutter, musste schlechte Erfahrungen mit Filmleuten machen", zählt Hammesfahr spontan auf und hat damit schon drei Elemente ihres neuen Thrillers fixiert. Die Filmproduzentin Stella ist ein menschliches Wrack, regelmäßig besäuft sie sich fast bis zur Besinnungslosigkeit. Eines Morgens liegt ihre verhasste Schwiegermutter ermordet im Bad, ihr Baby ist verschwunden und Stella schwört, dass sie nachts von einem Schatten mit glühenden Augen überrumpelt wurde. Eben dieser "Schatten mit den Mörderaugen" war Thema ihres erfolgreichsten Films ... "Mich interessiert der Mensch hinter der Figur und dabei bewege ich mich immer so dicht wie möglich an der Realität," stellt Petra Hammesfahr fest. Das größte Kompliment sagt sie sei, "wenn die Leser fragen, woher kennen Sie meine Schwiegermutter?"

Aus "Der Schatten" (Wunderlich, 448 S.,19,90) liest die Autorin am Montag, 26. September, 20 Uhr im Sparkassen-Forum, Berliner Allee 33.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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