Der saubere Tod.
Roman von Michael
Kleeberg (1987, Schneekluth).
Besprechung von Ulrich
Karger, Berlin:
"Weiße Flammen, Hitze,
Flammentod, das ist Leben: die sauberste Form zu sterben, weiß-glühend in einem Rausch,
sauber, ohne Rückstände, alles hochgehen lassen, ein sauberer Tod."
Berlin, die Mauerstadt - diesem sattsam bekannten Signet gewinnt Michael Kleeberg neue,
sehenswerte Ansichten ab. Sight-seeing-tours nehmen schon das Kreuzberg der Punk- und
Hausbesetzerszene in ihr 'Programm' auf, als Johann nach Berlin kommt, um hier eine
schnelle Mark zu machen. Seine Berlin-Adresse ist zwar als politischer Märtyrer nach
Amsterdam geflüchtet, aber Johann darf trotzdem das nunmehr leerstehende Zimmer in der
Fabriketage beziehen. Dort treffen, nein streifen ihn die Lebensgeschichten der anderen...
Nachdem die action vor dem kurz zuvor noch besetzten 'KUCKUCK' gelaufen ist, versucht
Johann noch eine Zeitlang aus den 'alten' Geschichten wenigstens etwas Nachgeschmack zu
pressen, aber der ist bitter, eben aus zweiter Hand. Letztlich teilnahmslos bis zur
Schmerzgrenze, scheint für Johann dann Leben nur noch in der Gewalt gegen sich und andere
spürbar zu werden. Die Lemminge seiner Scene stürzen nicht herdenweise von den Klippen,
sondern schlagen sich mit heftiger Ausdauer die Köpfe an unsichtbaren Wänden wund.
Melancholisch, wie ein sonnenglitzernder Fluß, in dem Leichen treiben, fließt dieser
Roman dahin, unmöglich den Blick davon abzuwenden. Ständig einem Anflug von Gänsehaut
ausgesetzt, werden die Maschen des uns tragenden Sicherheitsnetzes immer weiter, und der
Boden darunter ist mit Glassplittern übersäht. Dann ist die letzte Seite gelesen, das
Buch schnell zugeklappt, aber eigene Standfestigkeit wiederzufinden, geht nur noch über
den Umweg des Neubedenkens.
Der Verlag empfiehlt sich und den Autoren ferner durch eine handwerklich saubere und
lesefreundliche Aufmachung.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.buechernachlese.de.vu]
Leseprobe I Buchbestellung 0901 LYRIKwelt © Ulrich Karger