Der Riss von Claudia Piñeiro, 2012, UnionsverlagDer Riss.
Roman von Claudia Piñeiro, (2012, Unionsverlag - Übertragung Peter Kultzen).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 15.6.2012:

So unscheinbar in der immer gigantischer werdenden Bücherflut (gut 30.000 neue Romane pro Jahr), und so etwas Feines:
Drei Architekten in Buenos Aires haben einen lästigen Kerl in einem Haus einbetoniert. Der hatte einen Riss in seiner Wohnung und wollte Geld.
Aber ein Krimi ist das trotzdem nicht. Der Riss, mit dem sich Claudia Piñeiro – seit "Die Donnerstagswitwen" Shootingstar der argentinischen Literatur – so klug und konzentriert spielt, ist ja nicht nur an einer Wand zu sehen. Er geht z. B. auch durch die Familie eines der Architekten, der seit Jahren weder den Absprung aus dem Büro noch aus seiner Ehe schafft.
... und jeden Tag zeichnet dieser Pablo, Mitte 40 ist er, ein nach Norden ausgerichtetes elfstöckiges Hochhaus und steckt die Skizze in einen Ordner. Er wird es nie bauen. Oder vielleicht doch?
Pablo muss erst gegen einen Eisberg stoßen, um das Ruder herumzureißen. Und dann wird "Der Riss", sein ganz persönlicher Riss, nicht zugespachtelt. Was sogar dazu führt, dass sich eine andere Bruchstelle in seinem Leben schließt. Klingt geheimnisvoll, muss es auch, weil das Lese-Vergnügen hier nicht gefährdet werden soll.

KURIER-Wertung: **** von *****

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]

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