Der Preis der Leidenschaft über Li Qingzhao, Hanser, 2004

Der Preis der Leidenschaft.
Chinas große Zeit: das dramatische Leben der Li Qingzhao (2004, Hanser, Hrsg. von Barbara Beuys).
Besprechung von lx in Neue Züricher Zeitung, 18.9.2004:

Li Qingzhao, Dichterin

lx. Das Datum des Todes der chinesischen Dichterin Li Qingzhao wird gewöhnlich mit vier Ziffern - 1155 - und einem Fragezeichen angegeben. Sicher ist nur ihr Geburtsdatum, 1084. Damit fällt das Leben dieser wohl bedeutendsten chinesischen Literatin in die Blütezeit der Song-Dynastie. Anders als in Europa gehörten im China des 12. Jahrhunderts Buchdruck, Papier und Porzellan schon zu den Alltagsgegenständen, und dass eine Frau unter den wichtigsten Vertretern der chinesischen Hochkultur figurierte, scheint im Falle Li Qingzhaos nicht erst durch jahrhundertelange Querelen erkämpft worden zu sein. Bisher sind Leben und Werk der Chinesin im deutschsprachigen Raum vornehmlich Gegenstand akademischer Darstellungen gewesen. Die Publizistin Barbara Beuys hat nun eine sorgfältig recherchierte und faktenreich erzählte Biografie über Chinas grosse Zeit und das allerdings dramatische Leben dieser bei uns meist Unbekannten verfasst. Auch wenn China heute dabei ist, sich in der öden Einheitskultur zwischen Coca-Cola und Häagen Dazs einzurichten, so öffnet im Peking des 21. Jahrhunderts der Name Li Qingzhao weiterhin den Zugang zu einer kulturgeschichtlich bedeutenden Epoche, die Barbara Beuys in einem gewaltigen Panorama vor dem Leser ausbreitet. Mit Gespür hat die Autorin die Zeichen der Zeit erkannt; ihr Buch führt zwar zurück, aber ebenso sehr erhalten wir hier eine farbenprächtige Grundlage zum Verständnis dessen, was China war und zuweilen noch ist.

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