Der perfekte Mann von Morton Feldmann, 2004, Kunstmann

Der perfekte Mann.
Roman von Morton Feldmann (2004, Kunstmann).
Besprechung von Kurt Tetzeli aus der NRZ vom 1.09.2004:

Frauenversteher
In seinem ersten Roman schildert Morten Feldmann den - fast - perfekten Mann.

Wollen Sie ein Buch lesen, das knapp zweihundert Seiten immer so klingt wie der folgende Absatz? Ein Absatz, der so typisch ist, dass mit ihm auf dem Umschlag geworben wird? "Ich glaube, wenn sich Frauen ihren Ehemann aus einer Rippe schneiden könnten, käme ich heraus. Ich bin humor- und verständnisvoll, aufmerksam und nicht aus Holz. Ich bin genau der Mann, den meine Frau immer gewollt hat, sagt sie, und ich habe keinen Grund daran zu zweifeln. Sie betrügt mich." - Ja? Dann hinein in Morten Feldmanns Debütroman.

Von Blondinen und der Russenmafia

Sebastian, so heißt sein kümmerlicher Held und Erzähler, ist ein vieles duldender Frauenversteher, der in Hauptsätzen und (selbst)ironischen Pointen denkt und schreibt. Die Pointen machen die Bilder, die er sich von Welt und Mensch und seinem Beruf - er betreibt eine Schauspieleragentur - macht, ein wenig erträglicher: Denn ob zu Blondinen, Filmförderung oder Russenmafia, Sebastian denkt in Klischees. Und er denkt auch insofern in Haupt-Sätzen, als sich die Beziehung zu seiner Frau, einer mittelmäßigen Schauspielerin, die als Kabarettistin zweite Karriere macht, immer ausschließlicher in seinem Haupt abspielt, um im Eifersuchtswahn zu enden.

Dies könnte psychologisch und sprachlich-erzählerisch zum spannenden Problem werden: Wie sind Psyche und Verhalten eines Mannes literarisch zu gestalten, der sich selbst als rational und tolerant dazustellen trachtet, den aber in immer heftigeren Schüben Wahnhaftes heimsucht? Um solches freilich zu gestalten, fehlen dem Autor die Mittel. Gewiss werden mit dem Vordringen der Wahnvorstellungen die Sätze ein wenig argumentier- und nebensatzfreudiger. Gewiss wird die flapsige Pointenjagd nun ein wenig zurückgenommen. Doch entschiedener verändern die Erfahrungen weder die Erzählweise noch den Erzähler.

Freilich: Gefiel Ihnen der obige Absatz? Und ist Ihnen auf einer gut zweistündigen Zugfahrt die Tageszeitung zu aufregend, die Aussicht zu eintönig - der perfekte Mann wird ein halbwegs unterhaltsamer Reisebegleiter sein. (NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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