Der Nebelfürst von Martin Mosebach, Eichborn, 20011. - 2.)

Der Nebelfürst.
Roman von Martin Mosebach (2001, Eichborn).
Besprechung von Jochen Hörisch in Neue Zürcher Zeitung vom 14.11.2001:

Zusehen - das ist die Zukunft
Martin Mosebachs Roman «Der Nebelfürst»

Prognosen sind, einer alten Sottise gemäss, unzuverlässig, und zwar insbesondere dann, wenn sie der Zukunft gelten. Im Jahre 1900 stellt ein noch relativ junger Mann mit dem sprechenden Namen Theodor Lerner zwei Prognosen auf. Die erste weist ihn als einen Charakter aus, der noch viel zu lernen hat: «Heute im Jahr 1900 können wir sagen, dass die Epoche der europäischen Kriege endgültig zu Ende ist.» Die zweite aber weist ihn als einen geschichtsphilosophischen Prognostiker von Graden aus: «Zusehen - das ist die Zukunft.» Nach dem Ende der Kriege werde man historische Schlachtfelder begehen, nach dem Ende der Religion werde man Kirchen besichtigen, und nach dem Ende der Arbeitsgesellschaft werde man touristisch «primitiveren Völkern beim Arbeiten zusehen». Ein Schelmen-, Hochstapler- und Bildungsroman aus dem Jahr 2001 leistet eine prophetia ex eventu und blickt, von historisch halbwegs verbürgten Ereignissen um das Jahr 1900 erzählend, voraus auf die späte Fernseh- und Fernwehkultur. Ein intellektuelles, wenn auch kulturgemäss nicht ganz ungebrochenes Vergnügen.:...Fortsetzung

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Der Nebelfürst von Martin Mosebach, Eichborn, 20012.)

Der Nebelfürst.
Roman von Martin Mosebach (2001, Eichborn).
Besprechung von Hannes Stein in Die Welt vom 12.1.2002:

All you need is love
Mit "Der Nebelfürst" bestätigt Martin Mosebach eine abendländische Fundamentalerkenntnis

Es gibt in Deutschland nicht ganz so viele gute komische Romane. Dem Schriftsteller Martin Mosebach, der seit Jahren von Frankfurt aus am Literaturbetrieb und seinen Moden vorbeiproduziert, ist nun ein solcher Roman gelungen. In "Der Nebelfürst" erzählt er die Geschichte des Hochstaplers Theodor Lerner, der um die Jahrhundertwende für das Deutsche Reich die Bären-Insel am Nordpol in Beschlag nimmt und nachher verzweifelt versucht, das öde Eiland meistbietend zu verscherbeln. Der - authentische - Stoff für diesen Roman fiel Mosebach durch Zufall in die Finger, als er in einem Haus einen liegengebliebenen Aktenordner mit Blättern voller Aufzeichnungen fand.

Die zeitgenössische Literatur ist in jeder Epoche der schlimmste Feind der Kultur", schrieb der wunderbare Reaktionär Nicolás Gómez Dávila. "Die begrenzte Zeit des Lesers wird mit dem Lesen von Tausenden von mittelmäßigen Büchern vertan, die sein Kritikvermögen abstumpfen und seine literarische Sensibilität beschädigen." Manchmal findet man unter dem Geröll aber doch dieses oder jenes Nugget; und ein solcher Goldklumpen ist Martin Mosebachs funkelnder Roman "Der Nebelfürst".

Mosebach ist ein deutscher Schriftsteller, der mit der deutschen Gegenwartsliteratur herzlich wenig zu tun hat. Er sitzt in seiner Wohnung in Frankfurt am Main und werkelt neben dem Mainstream her vor sich hin, und was dabei herauskommt, ist viel zu hochkarätig, als dass es groß beachtet würde. Nun ist "Der Nebelfürst" kein typisches Mosebach-Buch. Erstens passiert ungeheuer viel (wir haben es, vorsichtig formuliert, mit einer Abenteuerliebesgeldschmonzette zu tun). Zweitens handelt es sich um einen historischen Roman - "Der Nebelfürst" spielt in der Kaiserzeit, im Deutschland der Jahrhundertwende....Fortsetzung

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