Der Metzger bricht das Eis von Thomas Raab, 2012, PiperDer Metzger bricht das Eis.
Roman von Thomas Raab, (2012, Piper).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 9.3.2012:

Es ist der Obdachlose in einem Wiener Park.
Zuerst rettet er ein Kind vor dem Erstickungstod (eine Nuss!), dann setzt er sich auf seinen Karton, deckt sich zu und murmelt in einem Höllentempo:

"Null ist Null ist eine natürliche Zahl, jede natürliche Zahl hat einen Nachfolger, nur Null ist kein Nachfolger einer natürlichen Zahl. Null ist der Anfang. Ich bin eine Null, ich bin am Anfang, nicht am Ende. Punkt. Am Nullpunkt."

Bald liegt er erfroren auf dem Gehsteig.

Es ist der Obdachlose, bei dem Thomas Raab am deutlichsten zeigt, was er draufhat: Der erzähllustige Autor wird auch ohne seinen übergewichtigen Serienhelden, den Möbelrestaurator Metzger, gut leben können; und wir mit ihm.

Aber egal. Noch egal. Metzger ist zurück. Nach zweijähriger Pause, die gut getan hat, liegt Krimi Nummer fünf vor, "Der Metzger bricht das Eis".

Raab spannt den Bogen megaweit vom einsamen Sandler zu verwirrend vielen Leuten und der Skihütten-Gaudi in einem Wintersportort.

Er zieht die Geschichte an den Haaren herbei – und alles passt zusammen. Im KURIER-Gespräch wundert sich der 41-jährige frühere Mathe- und Turnlehrer ja selbst, "dass eine Idee gar nicht absurd genug sein kann, um es mit der Wirklichkeit aufzunehmen".

Jedenfalls geht – wie es im Roman heißt – das Sterben wieder los, und der Metzger bewegt sich in einer Welt, die ganz sicher nicht die seine ist. Gondelbahn und Eisstockschießen, Skimützerl und Schneekanone.

Wobei so eine Schneekanone schon was hergibt. Z. B. gibt sie einen Menschen wieder her, ziemlich fein zerstückelt, blutige Flocken halt.

Gott sei Dank erweist sich ein sehr klein geratener Urlauber, der zunächst auslacht wird, als wahre Stütze unseres Helden. Einen übergroßen Penis hat er auch, aber das interessiert eher die Frauen. Der Metzger will bloß überleben.

Bei aller Skurrilität: Thomas Raab wird von Mal zu Mal ernster. Er fabuliert – und attackiert.

KURIER-Wertung: **** von *****

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]

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