Der menschliche Makel von Philip Roth, 2002, Hanser-Verlag1.) - 5.)

Der menschliche Makel.
Roman von Philip Roth (2002, Hanser - Übertragung Dirk van Gunsteren).
Besprechung von Sabine Dultz aus Münchner Merkur vom 9.02.2002:

Die Lügen des Lebens
Philip Roths Roman ''Der menschliche Makel''

"Die Wahrheit über uns ist unendlich. Ebenso wie die Lügen", weiß der Ich-Erzähler Nathan Zuckerman in Philip Roths neuem Roman "Der menschliche Makel". Und um nichts anderes als die Infragestellung der Realität, der scheinbar gegebenen Tatsachen und dessen, was man genau zu wissen glaubt, geht es in diesem Werk des bedeutenden, 1933 in New Jersey geborenen, amerikanischen Schriftstellers.

Seit jeher ist die Lebenslüge ein zentrales Thema. Die Lebenslüge, die sich am Ende eines jahrzehntelang mehr oder weniger scheinbar geradlinig gegangenen Weges selbst enttarnt. Sozusagen im Rückwärtsgang, in analytischer Technik, wie ein guter Krimi, ein bewegender Ibsen - oder ein antiker Klassiker. Das garantiert Spannung. Und wenn ein Leben von seinem Ende her aufgerollt wird, darf der Leser bei einem Autor wie Philip Roth sicher sein, dass dieses Buch eine ganze Epoche mit ihren gesellschaftspolitischen Problemen umfasst.

Roth behandelt sie alle ausgiebig - den Rassismus, den Zweiten Weltkrieg und den in Vietnam, den Clinton-Lewinsky-Skandal, das Potenzmittel Viagra und die Emanzipation der Frau . . . Das alles vermischt er auf die perfekteste und raffinierteste Weise und versieht den großen Erzählstrom mit einer staunenswerten archaischen Kraft. Die Beziehung seiner zeitgenössischen Geschichte zu den Urformen der griechischen Tragödie sind vom Autor gesucht und mit selbstverständlicher Logik hergestellt.

Schließlich ist die Hauptfigur des Romans, ist Coleman Silk an der Universität des neuenglischen Städtchens Athena Professor für Altphilologie. Hoch geschätzt bis zu dem Zeitpunkt, da er sich durch zwei farbige Studenten seines Seminars mit dem Vorwurf des Rassismus' konfrontiert sieht. Eine Lawine gerät ins Rollen, in deren Folge der plötzliche Tod seiner Ehefrau fällt.

Coleman sucht den Schriftsteller Zuckerman, seinen Nachbarn, auf mit der Bitte, das Unrecht, das ihm an der Universität zugefügt wurde, zu anklägerischer Literatur zu verarbeiten. Der Dichter verneint, freundet sich jedoch mit dem Altersgenossen an.

Im Verlauf der weit verzweigten Handlung stößt Zuckerman nach und nach auf die Untiefen, die Widersprüche, die Lügen des Lebens dieses sympathischen Frauenhelden Coleman Silk. Erst als der am Ende des Romans durch einen Autounfall (oder war es doch Mord?) zusammen mit seiner Jahrzehnte jüngeren und nicht "gesellschaftsfähigen" Geliebten, der Putzfrau und Analphabetin Faunia Farley, ums Leben kommt, erst nach dem Begräbnis, als Zuckerman von der ursprünglichen Identität dieses Mannes erfährt, beschließt er, aus dessen Leben einen Roman zu machen.

Was aber war diese erste Identität Colemans, die er so stark als menschlichen Makel empfunden haben muss, dass er sich eine neue, eine zweite Wirklichkeit schuf? Es war die Tatsache, dass er ein Schwarzer ist. Allerdings - und damit eine Ausnahme in seiner Familie - ein so hellhäutiger, dass er auch als brünetter Weißer angesehen werden konnte.

Die Herkunft, die Rassenzugehörigkeit setzten dem begabten Jungen Grenzen. Grenzen, die er nach seinem Freiwilligeneinsatz im Zweiten Weltkrieg sprengte, indem er, Eltern und Geschwister verleugnend, sich eine neue, eine weiße Identität schuf: die eines nicht gläubigen Juden, der alle seine Angehörigen im fernen Russland verloren habe. Nichts brachte Coleman dazu, sich zu outen. Nicht einmal seiner jüdischen Frau gegenüber, die ihm drei Kinder gebar und deren Geburt er jedes Mal fiebernd entgegensah. Doch jedes dieser Kinder war hellhäutig wie er.

Von dem einen "Makel" durch die Lebenslüge befreit, sieht sich der auch im Alter immer noch attraktive Coleman nun, nach dem Universitätsskandal um seine Person, auf andere Weise "beschmutzt". Nicht nur dadurch, dass die junge französische Dozentin Delphine - auch sie versuchte, ihrer Herkunft zu entkommen - aus nicht erwiderter Liebe Coleman denunziert. Der Professor gerät ins gesellschaftliche Abseits durch seine Affäre mit jener Außenseiterin Faunia, die sein Schicksal wird.

In diesem geheimnisvollen bis mythischen Wesen ist noch einmal in einer Art Gleichnis dargestellt, was Philip Roth mit dem Titel seines Romans meint. Sie, die aus der kleinbürgerlichen Gesellschaft Athenas ausgegrenzte, junge, vielleicht auch primitive Unglücksfrau, deren Kinder bei einem Wohungsbrand ums Leben gekommen sind, vergleicht ihre Underdog-Existenz mit der einer Krähe: Einmal mit den Menschen in Berührung gekommen, kann sie sich in der Gesellschaft anderer Krähen nicht mehr behaupten.

"Das ist der menschliche Makel", sagt sie. Und Roth holt in weitem Bogen aus, um sich über das natur- oder gottgegebene Schicksal der Kategorie Mensch zu verbreiten: "Der Makel ist untrennbar mit dem Dasein verbunden. Er hat nichts mit Ungehorsam zu tun. Er hat nichts mit Gnade oder Rettung oder Erlösung zu tun. Er ist in jedem. Eingeboren. Verwurzelt. Bestimmend."

Zur Lebenslüge also noch so etwas wie Erbsünde und Urschuld. Das ist, streng genommen, 19. Jahrhundert und dennoch dem Leser sehr nahe. In diesem Kräftefeld von Tradition und Moderne, Intellekt, Gefühl und Zweifel zwingt Roth seinen Helden zum erbitterten Kampf um das tatsächliche Leben, den er in dem Moment verliert, als er drauf und dran ist, sich durch seine "unstandesgemäße" Liebe eine dritte, jetzt vielleicht die makellose, die wahre Identität zu schaffen.

Dass das alles nicht abrutscht in Kitsch und Kolportage, dafür sorgt der gewiefte Autor Philip Roth durch die raffinierte, vielgliederige Form seines Romans, eine gehörige Portion Gesellschaftskritik und durch den als literarische Figur eingeführten Schriftsteller Nathan Zuckerman, aus dessen distanzierter Perspektive der Leser mit den kontroversesten Figuren und Geschichten auf spannende, immer wieder überraschende Weise konfrontiert wird.

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Der menschliche Makel von Philip Roth, 2002, Hanser-Verlag2.)

Der menschliche Makel.
Roman von Philip Roth (2002, Hanser - Übertragung Dirk van Gunsteren).
Besprechung von Anita Pollak aus Kurier, Wien vom 15.02.2002:

Vom Fehler, ein Mensch zu sein

Wie gut, dass es Philip Roth gibt. Eine Trade-Mark, die nicht enttäuscht. Ein Autor, der sich nicht entwickeln musste, weil er auf seine Weise immer vollendet war, ein Autor, der trotzdem reift, der sich treu bleibt und trotzdem verändert. Ein Amerikaner, der nicht nur für Amerika schreibt, ein Zeitgenosse und ein Mensch.

Die Menschlichkeit, das heißt die Fehlbarkeit, „Der menschliche Makel“ (The Human Stain), ist das große Thema seines jüngsten Romans, der soeben in deutscher Übersetzung erschienen ist. Er ist ein Meisterwerk, ist wiederum ein Meisterwerk, wie bereits davor sein „Amerikanisches Idyll“.

Hexenjagd

Es ist der Sommer des Groß-Reinemachens, der Sommer 1998, in dem jeder an den Penis des Präsidenten dachte und das Leben in all seiner Schlüpfrigkeit Amerika wieder einmal in Verwirrung stürzte. Der Sommer also, in dem die Clinton-Lewinsky-Affäre hoch kochte, und in dem Viagra auf den Markt kam, das Wundermittel, das einem 71-jährigen Professor einen neuen Frühling und seinen letzten Sommer beschert. Um die Lebensgeschichte dieses Coleman Silk bzw. seine verschiedenen Fassungen ranken sich andere Schicksale, die der Erzähler Nathan Zuckerman, Roth-Lesern als Alter Ego des Autors wohl vertraut, miteinander verknüpft. Es sind Menschen, die alle ein Geheimnis, einen dunklen Fleck verbergen, Tragödien, jede einzelne stark genug, um einen Roman damit zu füllen.

Doch Coleman Silks Fallhöhe ist die größte, obwohl ihn seine letzte Geliebte, die junge Putzfrau Faunia manchmal wegen der Privilegiertheit seines Leidens hasst. Sie und der Vietnam-Veteran Les Farley, ihr Ex-Mann, haben die Härten des Daseins weit brutaler und körperlicher erlebt als der kultivierte Altphilologe Coleman, dessen strahlende Universitätslaufbahn durch eine unbedachte Bemerkung ein jähes Ende fand. Als dunkle Gestalten, die das Seminarlicht scheuen, hatte er zwei abwesende Studenten bezeichnet, nicht ahnend, dass es sich um Farbige handelte. Spooks, Gespenster, hat als abfällige Bezeichnung für Schwarze eine unübersetzbare zweite Bedeutung, die Silk den Vorwurf des Rassismus einträgt. Die Hexenjagd der puritanischen Kleingeister beginnt. Er wird von der noblen Universität, zu deren gutem Ruf er beigetragen hat, verstoßen, seine Frau stirbt daran.

Zuckerman, der Schriftsteller und bald auch Freund, soll die Geschichte dieses Unrechts aufschreiben, verlangt der Gedemütigte. Nach Colemans Tod tut es Zuckerman schließlich, doch es ist eine andere Geschichte. Denn Coleman ist, und das ist fast ein Knalleffekt, eigentlich ein sehr hellhäutiger Schwarzer, der in der Navy seine Identität änderte und sich als weißer Jude ausgab, die bislang unbekannte Verschmelzung der beiden ungleichsten unerwünschten Rassen. Mit seiner Familie hat er gebrochen und nicht einmal seine Frau hat von seinem „Makel“ gewusst. Gerade ihm Rassismus vorzuwerfen, ist die Ironie seines Schicksals, der letzte Preis für die Verwirklichung des amerikanischen Traumes, sein Leben selbst zu bestimmen.

Die Grenzen

Philip Roth zeigt die Möglichkeit und das Scheitern dieses Traumes. Die Grenzen in der Jagd nach dem Glück liegen nicht im Einzelnen, es ist die Gesellschaft, die ihn einschränkt, die den Schwarzen zum Schwarzen und dieses zum Makel macht, die dem alten Mann die junge Frau nicht gönnt. Zum Schluss sitzt der Mörder friedlich fischend an einem zugefrorenen See. Ein amerikanisches Idyll.

Nathan Zuckerman, seit mehreren Büchern impotent, hat sich von der Erotik verabschiedet. Doch wenn die nackte Faunia vor Coleman tanzt, wenn die beiden Freunde miteinander zu den Melodien ihrer Jugend tanzen, hat das eine feine Erotik fern von Altmänner-Sex. Roth ist auch darin weise und ökonomisch geworden. Viagra braucht dieser großartige Erzähler nicht. Er ist souverän und potent wie eh und je.

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Der menschliche Makel von Philip Roth, 2002, Hanser-Verlag3.)

Der menschliche Makel.
Roman von Philip Roth (2002, Hanser - Übertragung Dirk van Gunsteren).
Besprechung von Uwe Wittstock aus Die Welt vom 16.02.2002:

Die schiere Kraft des Sex
In "Der menschliche Makel" erzählt Philip Roth von einem Schwarzen, der das Leben eines Weißen lebt

Wer ist Coleman Silk? Ein Mensch, der darauf besteht, nicht nach seiner Hautfarbe beurteilt zu werden, sondern nach seiner Persönlichkeit, der eines jüdischen Altphilologen, eines Altphilologen mit einiger Erfahrung im Boxen? Was ist das für ein Mensch, der seine Vergangenheit hinter sich lässt wie einen ausgelutschten Kaugummi, der seiner Mutter ins Gesicht sagt, dass er sie nie wieder sehen will, weil er durch sie als Schwarzer erkennbar wird? Was ist das für ein Leben, in dem Silk - einem alten amerikanischen Traum folgend - sich neu und ganz aus eigener Kraft zu erfinden versucht? Philip Roth wäre nicht Philip Roth, wenn er bei der Ergründung dieser Fragen nicht nur tief in der menschlichen Seele wühlen, sondern auch den Sex als vitalen, unersetzbaren Teil eines Menschen beschreiben würde, den es zu verteidigen gilt gegen die angeblich guten Sitten. Ein großer, menschenkluger Roman - und eine Apologie der Lust gegen die Vernunft.

Was für ein Roman! Was für ein ungeheurer, großartiger, menschenkluger Roman! Philip Roth, diese hoch empfindsame Kämpfernatur unter den amerikanischen Erzählern, hat für vier seiner jüngsten Bücher vier der wichtigsten Literaturpreise seines Landes bekommen. Für ihn scheint es kein Halten mehr zu geben beim Aufstieg auf der nach oben offenen Skala schriftstellerischer Meisterschaft. Roth, der mit "Goodbye, Columbus" und "Portnoys Beschwerden" als junger Mann bereits zum Weltstar wurde, der sich zwischendurch immer wieder mal in Spiegellabyrinthe literarischer Selbstreflexion zurückzog, legt seit einem knappen Jahrzehnt ein Spätwerk hin, das seine Kollegen vor Neid erblassen und seine Leser vor Glück erröten lässt... Fortsetzung

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Der menschliche Makel von Philip Roth, 2002, Hanser-Verlag4.)

Der menschliche Makel.
Roman von Philip Roth (2002, Hanser - Übertragung Dirk van Gunsteren).
Besprechung von Ulrich Steinmetzger aus der NRZ vom 21.02.2002:

Von amerikanischen Traumata: Philip Roth hat einen grandiosen, nahezu makellosen Roman-Giganten geschrieben. Coleman Silk ist ein Bild von einem Mann. Ein Kundera-Typ, halb Dichter, halb Preisboxer. Zwanzig Jahre lang war er Professor für klassische Literatur und weitere 16 Dekan einer Ostküsten-Universität, der er zu Ansehen verholfen hat. Seit zwei Jahren sitzt Coleman Silk einen unfreiwilligen Ruhestand in den Hügeln Neuenglands ab, isolierter Witwer um die 70, Mobbing-Opfer, groß in seiner letzten Liebe und hassend als empfindsamer Kohlhaas. Die Vernichtungsschläge sind aus einer unerwarteten Richtung gekommen. Sein eigentlicher Lebensschwindel war unentdeckt geblieben. An der Macht der dunklen Gestalten aber hat das nichts geändert.Trost bringen die Treffen mit Nathan Zuckerman, dem Schriftsteller, der den Überfluss der Stille um sich organisiert. Ihm erzählt Silk seine Geschichte, auf dass er sie weiter erzähle. Es ist die Geschichte eines Erfolgs, der auf einer Lüge basierte. Einst hatte sich der hellhäutige Farbige als weißer Jude ausgegeben, um Karriere machen zu können. Nun begegnen ihm zwei Frauen, Delphine Roux, eine Pariserin in Amerika, seine akademische Gegenspielerin, die erfolglos versucht, aus seinem immer länger werdenden Schatten zu treten, und Faunia Farley, die 34-jährige Putzfrau am College, die Bildung mit urwüchsigem Wissen übertrumpft. Die eine sucht in den Staaten ihre französische Verfeinerung loszuwerden, der zufolge Erkenntnisse nur aus Theorien abgeleitet werden. Die andere, geschieden von einem alkoholkranken Vietnamveteranen, spielt nach dem Tod ihrer beiden Kinder die Analphabetin. Dem "Jeder weiß..." der einen hält Silk sein "Niemand weiß..." entgegen; mit der anderen beginnt er ein letztes großes Abenteuer, eine tödlich endende Affäre, eine "erlösende Verschmutzung . . . jenseits der Qualen der Welt". 

Begeisterndes Lesefutter

Wo sonst begegnet man heute einem epischen Atem, der Gesellschaftsroman, Sittenbild, Mentalitäts- und Ideologiegeschichte in einem entwirft und ausmalt? Wann und wo anders als beim 68-jährigen Philip Roth? Was sich in "Amerikanisches Idyll" und "Mein Mann, der Kommunist", den ersten beiden Bänden seiner amerikanischen Trilogie abgezeichnet hatte, wird in "Der menschliche Makel" souverän vollendet. Nicht als Farce wiederholt sich die US-Geschichtstragödie, sondern als tiefschwarze Provokation und begeisterndes Lesefutter, modern und im besten Sinne traditionell. Dieses Buch sollte man im Stehen lesen. Es ist ein rares Ereignis, ein brillant konstruierter Roman-Gigant. Wie aber bringt dieser Autor das Disparate einer Einwanderer-Gesellschaft in eine Allgemeines herauspräparierende Geschichte? Er tut es, indem er aus gemeinschaftsstiftenden historischen Ereignissen Hintergrundbilder malt, vor denen er die Identitätsverwerfungen seiner Figuren kollidieren lässt. Solche Ereignisse waren im Fortgang der Trilogie die McCarthy-Hexenjagden und der Vietnam-Krieg. Jetzt aber - 1998 - ist es die Clinton-Lewinsky-Affäre. Amerika ist geprägt von ekstatischer Scheinheiligkeit. Dramatisierungen banalster Gefühle haben Konjunktur. In eben jenem Sommer, als die Feindbilduniform des Kommunismus nicht mehr und die des Terrorismus noch nicht passte, dachte "jeder an den Penis des Präsidenten". Auch ein amerikanisches Trauma... Die großen Romane des Philip Roth widersprechen den Schubladen einer konsenssüchtigen Historienschreibung, indem sie deren Verlogenheit aus einer klassisch dimensionierten Verlorenheit des Individuums erklären. Kaum ein zweiter Autor vermag es, so sinnfällig die Qualitäten der Literatur gegenüber der Bilderflut vorzuführen. Das Fiktive verwandelt sich bei ihm zum Vehikel einer höheren Objektivität. (NRZ)

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Der menschliche Makel von Philip Roth, 2002, Hanser-Verlag5.)

Der menschliche Makel.
Roman von Philip Roth (2002, Hanser - Übertragung Dirk van Gunsteren).
Besprechung von Michael Amon:

Das beste Buch von Roth. Vordergründig eine bittere Geschichte über politische Korrektheit. In Wahrheit ein Buch über den amerikanischen Traum, über die Möglichkeiten und Grenzen, sich selbst neu zu erschaffen. Und (ungewollt?) ein Schlag gegen die Postmoderne und ihr Geschwafel darüber, daß es keine große Erzählung mehr gibt. Hier sowohl literarisch als auch am Beispiel eines Schicksals widerlegt. Daß der Roman über alle Vorzüge amerikanischer Autoren verfügt (logische, gut durchdachte Handlung, Verzicht auf Selbstreferentielles) ohne deren Nachteile (inhaltslos, glatt) aufzuweisen, macht dieses Buch zu Recht zu einem Bestseller. Und das kann man wirklich nicht oft sagen.

Weinempfehlung:
Lageder: Kalterer See 2000 - klar, beinahe leicht und doch voll Tiefe und Nachklang

Plattenempfehlung:
Dr. John: Creole Moon, EMI/Parlaphone 34591 2

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Leseprobe I Buchbestellung 0203 LYRIKwelt © Michael Amon