Der Meister der leisen Töne.
Biografie des Dichters Franz Hessel (2003, Igel-Verlag, hrsg. von Magali Laure Nieradka).
Besprechung von HG in Neue Zürcher Zeitung vom 27.12.2003:

Biografisches zu Franz Hessel
Man hätte dem gewissenhaften Lektor eine besser lektorierte - oder auch gleich schon besser geschriebene - Biografie gewünscht.

Magali Laure Nieradka hat für ihr Buch «Der Meister der leisen Töne» gewissenhaft recherchiert und das Leben Franz Hessels gründlich erkundet, so gründlich, dass wir nun über seine Fähigkeit, sich in einen «ménage à trois» und in andere private, aber auch öffentliche Existenzbedingungen klaglos zu schicken, wohlunterrichtet sind. Auch dass er bis zu seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland eine verlässliche Stütze des Rowohlt-Verlags und ein freundlicher Freund literarischer Debütantinnen war, ergibt sich aus den hier präsentierten Zeugnissen. Aber die Folge der Quellenzitate wird durch den Kommentar der Autorin nicht weiter genutzt: nicht bis zum Nachweis, dass Hessels «leise Töne» tatsächlich die eines Meisters (und sogar «des» Meisters) waren, dass die Qualität seiner erzählenden und essayistischen Prosa, seiner Gedichte oder seiner Übersetzungen auch unabhängig von seinen menschlichen Vorzügen bestehen kann. Dass vor vier Jahren im selben Verlag wie die Biografie eine fünfbändige Gesamtausgabe der Werke Franz Hessels erschienen ist, hilft über diesen Mangel hinweg, und die auffallenden sprachlichen Mängel des Buchs ändern wenig daran, dass es eine reichhaltige Materialiensammlung bietet.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter nzzonline.jpg (1303 Byte)]

Leseprobe I Buchbestellung 0907 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © NZZ