Der Meister.
Roman von Herbert Rosendorfer (2011, Edition Elke Heidenreich bei Bertelsmann).
Besprechung von Susanne Fleischer in
www.literaturmarkt.info, 30.01.2012:

Eine feine Komposition der Worte

In Venedig treffen sich Carlone und der Ich-Erzähler im Roman "Der Meister" nach langer Zeit erstmals wieder. Seit sie ihr Studium erfolgreich beendet haben, haben sie sich nicht mehr gesehen. In all den Jahren hat sich jede Menge Gesprächsstoff angesammelt. In einem Restaurant tauschen sie die Neuigkeiten des Tages aus und verlieren sich in den Erinnerungen an alte Tage. Dabei wird es gefühlsselig, lustig und richtig spannend, denn im Musikwissenschaftlichen Institut war stets etwas los. All die Leute, die dort durch die Gegend liefen, hatten irgendeinen Spleen, der sie zu etwas Besonderem machte. Da gab es beispielsweise Professor Goblitz, der Musik lesen, aber nie welche hörte konnte. Oder der "göttliche Giselher", der alles über Musikinstrumente wusste, ohne jedoch selbst ein einziges spielen zu können.

Die hübsche Helene Romberg hat es den beiden besonders angetan. Sie gehörte zu den Frauen, die Männer um den kleinen Finger wickeln konnte - und zwar mit einem kleinen Augenzwinkern, der das andere Geschlecht beinahe um den Verstand brachte. Gesprächsthema Nummer eins ist allerdings ein ehemaliger Kommilitone, der von jedem nur "Meister" wurde. Für ihn musste stets alles und jeder perfekt sein, er selbst nahm es aber damit nicht so genau. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, schrieb er Artikel für ein Musiklexikon und erfand so manchen Komponisten hinzu. Doch dieses Spiel war ziemlich gefährlich, denn jederzeit hätte es auffliegen können und der Meister seinen guten Ruf für immer eingebüßt. Er unternahm alles, um es nicht soweit kommen zu lassen und brachte sich dafür für arge Bedrängnis ...

Herbert Rosendorfers Roman "Der Meister" geht über Kunst hinaus und bedeutet eine zarte Versuchung, die die Welt der Musik zu einem berauschenden Erlebnis werden lässt. Die Worte des deutschen Autors sind eine meisterhafte Komposition, die mit den Tönen spielt und damit den Leser ab dem ersten Satz verführt. Auf dieser sanften Melodie der Buchstaben liegt ein Zauber, der es versteht, jedermann glücklich zu machen, und für stundenlange Rauschzustände sorgt. Die Emotionen, der feine Humor und die Spannung, die dieser Roman heraufbeschwört, sind der beste Beweis dafür, dass "Der Meister" Literatur mit hohem Anspruch ist. Bücher aus der Edition Elke Heidenreich sind etwas ganz Besonderes und Herbert Rosendorfers Werk gehört zweifelsfrei dazu.

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