Der Mann unter der Treppe von Marie Hermanson, Suhrkamp, 2007Der Mann unter der Treppe.
Roman von Marie Hermanson (2007, Suhrkamp - Übertragung Regine Elsässer).
Besprechung von Katja Pelzer aus der NRZ vom 31.07.2007:

Wer ist bloß der hässliche Typ unter der Treppe?
Ein Dämon nistet sich im Glück ein: Ein Psychomärchen der Schwedin Marie Hermanson.

Der Grat zwischen Schein und Sein ist eine dünne Linie und der schwedische Roman "Der Mann unter der Treppe" von Marie Hermanson schwärmt mal dies-, mal jenseits aus. Lesen ist hier ein Hinterhertaumeln mit Ansagen: menschliche Abgründe, Wahnsinn, gescheiterte Lebensentwürfe - und noch am Ende rätselt man, was Schein ist und was Sein. Eigentlich könnte alles so schön sein, Fredrik hat alles, was nach Glück aussieht: Paula, eine kluge, attraktive Frau, die ihn liebt; zwei reizende Kinder, Haus am Wald und einen sicheren Job in der Wirtschaftsförderung einer schwedischen Kleinstadt. Die trüben Tage seiner Kindheit ruhen in einer Mottenkiste namens Erinnerung. Auch der Tag, an dem er erfuhr, dass sein Vater gar nicht sein Vater war. Er, der Sohn aus einfachen Verhältnissen, hat die Künstlerin aus wohlhabenden Kreisen erobert - ein Triumph. Aber dann steht da eines sehr frühen Morgens dieser Typ in der Diele. So klein und hässlich wie die dunkle Seite in uns allen. Und dreist: Er will nicht verschwinden. Er wohnt unter der Treppe. Immer böser benimmt sich Fredrik, um den Kerl loszuwerden. Doch sein Sohn Fabian freundet sich mit dem trolligen Gnom an. Und auch Paula scheint ihn ins Familienglück einbeziehen zu wollen. Immer energischer schüttelt Fredrik den Alb von sich ab, und immer schlimmer werden die Folgen.

Ekelerregend spannend

Und weil Marie Hermanson eine gute Erzählerin ist und zwischen Psychodrama und Horrormärchen hin- und herwandelt, bleibt die Geschichte bis zum Schluss geradezu ekelerregend spannend und löst sich dann auch nicht abschließend auf. Wer, verflixt, ist dieser Mann unter der Treppe? Wer einen versöhnlichen Schluss braucht, sollte um den "Mann unter der Treppe" besser einen Bogen machen. Wer es aber haarsträubend mag, ist hier goldrichtig. (NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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