Der Löwe der Gerechtigkeit.
Roman von Leena Lehtolainen
(2013, Kindler).
Besprechung von Lars von der Gönna in der WAZ vom 21.2.2013:

Rot, rot, rot glühtder Rooibostee

Natürlich muss man sich etwas trauen auf diesem Krimimarkt, da er schon alles hat. Es ermitteln ja zuckerkranke Lesben, dreifach geschiedene Opernfans, Milchbauern und manisch-Depressive. Wie will man da noch eine Persönlichkeit schaffen, die auffällt? Ob die Finnin Leena Lehtolainen so ihre Personenschützerin Hilja ans Licht der Thrillerwelt brachte? Noch mehr allerdings stellt sich nach Hiljas zweitem Auftritt in „Der Löwe der Gerechtigkeit“ die Frage: Wer schützt uns vor dieser Person?

Nein, es ist kein Vergnügen, nicht einmal eines mit leiser Gänsehaut, dessen lesende Zeugen wir werden. Liebesgeschichte und langer Kindheitsschatten, dazu Leibwächterklamauk mit angeklebtem Bart und verstellter Stimme: In einer Hemmungslosigkeit, die nur glühende Verehrer erfrischend finden dürften, verquirlt Lehtolainen dies und das.

Dabei kann die 48-Jährige ja durchaus auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Jahr für Jahr sandte sie die Polizistin Maria Kallio aus, die Welt zu verbessern, nicht selten zum Wohl gequälter Frauen.

Ihren Bodyguard Hilja auch nur annähernd wertzuschätzen wie Frau Kallio, das ist schwer. Vermutlich ist ein männlicher Rezensent nicht der ideale Leser. Aber was tut man Frauen, die das feindliche Gangsterleben des 21. Jahrhunderts meistern, eigentlich an, wenn Hilja ihren Vorrat an Slipeinlagen als Geheimversteck benutzt, zum Putzlappen langt und dann noch kitschreich ihre zentrale Erholungstechnik verrät: „Das Rot des Rooibos glühte wie die Savanne, der Duft versprach Entspannung.“

Es gibt Tote, reichlich falsche Fährten, Aktmalerei, Schuld und Sühne. Bei der Stange hält Lehtolainens holprige Dramaturgie einen nicht. Enttäuschend!

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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