Der
Leuchtturm.
Roman von
Jean-Pierre Abraham, (2010,
Jung und Jung - Übertragung Ingeborg Waldinger).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 30.7.2010:
Wahrzeichen der Seefahrt: Leuchttürme sind heute automatisiert und großteils überflüssig. Als Abraham in der Bretagne Leuchtturmwärter war, war die Arbeit hart und gefährlich
Fast niemand wollte ihn. Die Steirerin Ingeborg
Waldinger hat den Roman in der Bretagne aufgestöbert, ein Exemplar aus dem Jahr
1967, sie hat Teile übersetzt, Verlegern angeboten - ein Dutzend Absagen folgte.
Sie versuchte es bei Jochen Jung, nicht ahnend, dass er am Meer aufgewachsen
war, an der Ostsee. Sein Salzburger Verlag wird heuer zehn Jahre alt. Jungs
G'spür und sein Mut sind längst ausgezeichnet worden.
Diese Woche ist "Der Leuchtturm" im deutschsprachigen Raum angekommen, sieben
Jahre nach dem Tod des Autors Jean-Pierre Abraham (1936 - 2003).
KURIER: Braucht Österreich Leuchttürme?
Jochen Jung: Wenn Böhmen am Meer liegt, dann liegt Österreich auch am
Meer. Und Leuchttürme braucht es sowieso, schon deswegen, weil es keine hat;
außer in der Kunst.
Aber sind Leuchttürme nicht etwas zu Trauriges?
Gleich nach dem Schönsten, dem Zu-Zweit-Sein, kommt das Alleinsein. Und wo kann
man alleiner sein als in einem Leuchtturm auf einem Felsen mitten im Meer.
Abraham, Journalist und Schriftsteller, war 1959 bis 1964 - weit draußen im
Atlantik - drei Jahre Leuchtturmwärter auf Ar-Men (westlich der bretonischen
Insel Sein). Damals musste das Gasfeuer noch händisch gezündet werden.
Nach den Wanderjahren in der Fremde war es für den Mann Mitte 20 die Heimkehr zu
sich selbst. Der wahre Platz. Ein Kloster - wohl wissend, dass es Schöneres
gibt: mit einer Frau in einem Segelboot am Meer.
Seine Notizen, stehend am Pult im Turm geschrieben, sind schnörkellose Dichtung
mit Nebel und Sonne, Wind und Kälte, Sirene und Stille; allein die macht Angst.
Man kann nicht viel über das Logbuch der Seele erzählen.
Aber spüren kann man es.
Jedes Wort zählt.
Manchmal kreischen die Vögel, das Meer tost. Der Leuchtturmwärter putzt die
Scheiben, ölt die Motoren, malt sein kleines Zimmer weiß aus und denkt an ein
Bild von Vermeer, um ruhiger zu werden. Er verlässt sich ganz auf Rituale. Einen
Landurlaub verweigert er. Selten spricht er mit seinem Kollegen.
Abraham hat das Licht gesucht. Das Licht der Kindheit. Das Licht eines
Weihnachtsabends, das man nur sehen kann, wenn man allein ist. Binsenweisheiten
waren von ihm nicht zu hören.
Hat er das Licht gefunden? Er lächelte fortan chinesisch (wie er einmal selbst
sagte).
Er heiratete und blieb mit seiner Frau, die erfolgreich Ziegenkäse produzierte,
und seinen beiden Söhnen fast immer am Meer. Er schrieb zehn Bücher und starb
hoch angesehen. Seine Asche wurde in der Bretagne auf einer der Glénan-Inseln
verstreut.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]
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