Der letzte Tanz im Paradies von Jürgen Petschull, 2009, OsburgnDer letzte Tanz im Paradies.
Roman von Jürgen Petschull (2009, Osburg Verlag).
Besprechung von Jens Dirksen aus der NRZ vom 29.07.2010:

Deutsche Südsee-Sünden in einem historischen Thriller

Unerforschte Urwälder, heimtückische Verbrechen, dramatische Liebe - Jürgen Petschulls Kolonial-Roman nimmt die Leser mit in die Südsee. Nicht alle kehren lebend zurück von diesem „letzten Tanz im Paradies“.

Ein historischer Thriller in der Südsee - das klingt ganz so, als sei man auf der Suche nach möglichst originellen Krimi-Schauplätzen am äußersten Rand von allem angekommen. Aber eigentlich ist Jürgen Petschulls Roman „Der letzte Tanz im Paradies“ ein Geschichtsbuch. Eines, das wie alle guten Geschichtsbücher erzählt, statt nur darzustellen.

Es geht um Neupommern im Bismarck-Archipel, das heute NewBritain heißt und zu Papua-Neuguinea gehört. Ja, es handelt sich um einen eher bizarren Randstreifen der deutschen wie der ozeanischen Geschichte - aber Jürgen Petschull biegt und schleift ihn zum Brennglas, unter dem die ganze Epoche sichtbar wird. Der ehemalige „Stern“-Reporter beschwört bilderreich die fiebernde Atmosphäre in den deutschen „Schutzgebieten“ in der Südsee um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert herauf.

Zwielichte Situationen

Aber dabei bleibt es nicht: Rund um schillernde „Queen Emma“, die reichste Frau des Pazifiks, und den deutschen „Südseekönig“ Johan Cesar Godeffroy, in dessen Auftrag zwei Männer nach einer Diamantenmine suchen, wird ein Geflecht aus Finanz- und Machtinteressen deutlich. Darin geraten noch die aufrichtigsten Naturforscher, Tropenärzte und Missionsschwestern in zwielichte Situationen. Erst recht, als sich Godeffroys Handelsbeauftragter heillos in „Queen Emma“ verliebt.

Es geht um Kannibalen, die den Aufstand wagen, es geht um Herrenmenschen und solche, die Gutes tun. Mancher Dialog in diesem Roman, dem man den Rechercheur Petschull wohltuend anmerkt, kommt ein wenig steif daher. Das passt allerdings schon fast wieder zur Epoche - und bremst nicht im mindesten den erzählerischen Schwung, der einen gekonnten Bogen vom blutigen Prolog bis zum scheinbar friedlichen Schluss.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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