Der kurze Traum des Jakob Voss von Matthias Göritz, 2005, BerlinDer kurze Traum des Jakob Voss.
Roman von Matthias Göritz (2005, Berlin Verlag).
Besprechung von Olaf Selg aus dem titel-magazin, 2005:

Geflügelsterben im Zeitalter der Vogelgrippe
Matthias Göritz versteht es in seinem Debütroman "Der kurze Traum des Jakob Voss" zwar durchaus, die Nöte des pubertierenden Jungen Nick plastisch darzustellen, doch letztlich bleibt ein inhomogener Eindruck.

"Der Junge", wie Nick Voss auch gerne genannt wird, durchlebt das Schicksal eines Kindes, das mit seinen Eltern aufs norddeutsche Flachland ziehen muss. Die Karriere seines Vaters als Kreisstadt-Bürgermeister hat ein unrühmliches Ende gefunden und nach einer Zeit des Suffs und der Depression versucht Jakob Voss mit dem Projekt "Geflügelfarm" sein Gesicht zu wahren und dem Dorf ein neues zu verpassen mit der Ansiedlung einer Fließband-Tierverarbeitung mit semi-sozialistischer Teilhaberschaft der Mitarbeiter.

Das Buch erhält in Zeiten der Vogelgrippe eine topaktuelle Dimension, droht Vaters Unternehmen doch ein ähnlich gelagertes, ungewollte Ende. Ebenso droht innerfamiliäres Zerwürfnis, da die Mutter von Nick nicht an die Zukunft der Farm und der Familie auf dem Land glaubt. So lebt jeder seinen Traum und insbesondere beim Anblick von Ruth, die es im wahrsten Sinne in der Hand hätte, Nick in noch schönere Traumgefilde zu führen, scheint sich für Nick eine neue Welt aufzutun. Doch die frühreife Ruth treibt es lieber mit den Jungs von der Mofa- und etwas später von der Motorradgang.

Gekonnt fragmentarisch oder unbeholfen bruchstückhaft?

Man kann sich die Frage stellen, ob die Geschichte, in die der Autor seinen Protagonisten Nick, dessen Freund Ralf und die angebetete Ruth verstrickt, nun gekonnt fragmentarisch oder unbeholfen bruchstückhaft verbleibt. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn Matthias Göritz den Schwerpunkt seines Romans stärker in dieser Jugendwelt belassen hätte und die Geschichte um die "sozialutopische" Farm und die Eltern mehr im Hintergrund geblieben wäre. Die Figur des Nick und seine Sicht der Dinge ist gut getroffen, so aber konkurrieren die diversen Erzählstränge um die Dominanz und werden insgesamt nicht zufriedenstellend ausgeführt.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter TitelMagazin]

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