Der Krieg.
Bildband von Otto Dix (2002, Jonas-Verlag, Hrsg. von Dietrich Schubert).
Besprechung von Helmut Winterhalter,
für die Rezensionen-Welt, im März 2003:

Ob Zufall oder nicht – dieses Buch, dieser Bildband kommt gerade richtig.

Manchem Leser mag es befremdlich erscheinen, das jemand sich freiwillig zum Kriegsdienst meldet, um die Gräuel und Schrecknisse eines Krieges besser oder überhaupt im Bild  künstlerisch fest zu halten. Andererseits zeigen diese 50 Radierungen von 1924, die also nach dem Ersten Weltkrieg entstanden sind, die ganze Grausamkeit, die ganze Absurdität eines Krieges. Bilder, die so in keinem Medium erscheinen, die so nur durch eigene Anschauung eines sensiblen, 'sehenden' Menschen entstehen können. Bilder, die jedem Politiker, der für einen wie auch immer geartetem Krieg stimmt, jeden Morgen auf den Schreibtisch gelegt werden müssten.

Otto Dix hat keineswegs nur sterbende Soldaten, Leichenhaufen und Luftangriffe zeichnerisch festgehalten, sondern auch die menschliche Verrohung eines in der Ausnahme Situation Krieg gefangenen Soldaten. Die 'Vergewaltigung einer Nonne' oder 'Soldat und Hure' zeigen dies sehr krass und deutlich.

Diese beiden Blätter sollten bei der Erstveröffentlichung 1924 nicht erscheinen.

Generell konnten die damaligen Machthaber, die insgeheim schon den Zweiten Weltkrieg vorbereiteten, mit diesen Bildern nichts anfangen. Soldatenverbänden, Offiziersclubs, politische Interessengruppen, (NSDAP) passten diese Kriegsdarstellung nicht in ihr Konzept, nicht in das verherrlichte (Berufs)bild des Soldaten.

Wünschen wir uns einfach, das dieses Buch, diese Bilder ihre Wirkung nicht verfehlen. Hoffen wir einfach weiter, das es nie wieder einem Maler möglich sein wird, solche Bilder zu malen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0403 LYRIKwelt © Helmut Winterhalter