Der Jukebox-Mann von Ake Edwardson, 2004, ClaassenDer Jukebox-Mann.
Roman von Åke Edwardson (2005, Claassen).
Besprechung von Gerd Fischer aus der NRZ vom 9.05.2005:

Volle Pulle Erinnerung
Eine vergnügliche Lektüre hält der "Jukebox-Mann" bereit. Åke Edwardson beschreibt das Ende einer klangvollen Epoche.

Mit höchstem Vergnügen haben wir gerade eine volle Pulle Erinnerung geleert. Uns ist der Sommer 1955 eingefallen, als wir an der Mosel an einem heißen Abend Wein und Hefetrester abwechselnd zur Brust genommen und dazu immer aufs Neue "He´s got the whole world in his hand" gehört haben. Wir waren allein in der Kneipe - ohne Konkurrenz am Plattenautomaten. Der Kater am Morgen war furchtbar, die Liebe zum Plattenautomaten, zur "Jukebox" blieb. Anfang der sechziger Jahre dröhnten wir mit den Kindern die deftige Urlaubsgaststätte im Waldecker Dörfchen voll. "Bohnen in die Ohren" war der Top-Hit. Aber dann starben die Jukeboxen aus. Und das genau beschreibt mit wehmütigem Witz Åke Edwardsons Roman "Der Jukebox-Mann". Er handelt von Johnny Bergman, dem in einer schwedischen Landregion Jukeboxen gehören, in Restaurants, Cafés, Motels und Tankstellen. Die stellt er auf, wartet und repariert sie, die füttert er mit den neuesten Platten. Ständig ist er auf Achse in seinem "Duett", der in der ersten Hälfte der Sechziger genau so ein Auslaufmodell ist wie die Jukeboxen, mag er dereinst (wie uns nicht der Autor, sondern das Internet verrät) auf Basis des Buckel-Volvo ein noch so beliebter Kleinlastwagen gewesen sein. Ja, "Times they are a´changin" - und Åke Edwardson beschreibt nicht nur das Ende der Jukeboxen, sondern das Ende einer Epoche, in der die laute Buntheit der Musikautomaten für üppige Kühlergrills, Bardotsche Busen oder verzückte Selbstentäußerung im Hula hoop steht.

Das verdammte Fernsehen

Johnny Bergman, der Jukebox-Mann, hat diese Jahre im Blut. Mit links beantwortet er die Frage, wann Elvis zum ersten mal "That´s All Right" sang (5. Juli 1953, an einem Montag, in Memphis). Aber nun will kaum noch einer Elvis hören, nicht aus der Jukebox. Immer mehr Rundfunkprogramme, das verdammte Fernsehen, und die LP ist im Kommen...

Wunderbare Typen lässt Edwardson mitspielen, Gaststättenbedienstete vor allem, Schausteller, einen besoffenen Friseur, Automonteure (ja, der alte Duett!). Es gibt ein paar Geheimnisse in Bergmans Vergangenheit, die zum Schluss ohne großen Knalleffekt gelöst werden, und es gibt vor allem auch eine wunderbare Liebe zu einer Frau und ihrem Sohn. Aber von vergnüglicher Wichtigkeit ist doch die Jukebox, etwa das grün und golden leuchtende Wurlitzer-Jubiläumsmodell von 1956 mit 104 Wahltasten. Oder die Rock Ola Tempo I im "Car Styling" - mit Schwanzflossen! (NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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