Der infrarote Korsar.
Buch von Wiglaf Droste (2003, Edition Tiamat).
Besprechung von Niklaus Grubenmann in Rezensionen.ch, 2003:

Ein verbaler Rundumschlag

"Was ist eine richtig gute Bar?" - Auf diese unter Umständen durchaus wichtige Frage weiß dieses Buch eine Antwort. Auch weiß Droste, dass die Adilette nicht an einen Männerfuß, geschweige denn an einen Frauenfuß gehört. Sowieso, es gibt wenig an dem sich Droste nicht auslassen würde: Depressionsgruppen, Journalisten, Sozialdemokraten (inkl. Doris Schröder-Köpf), Zürich, Adoleszenz und Fußball. Und alles was Droste textmässig anfasst, kommt nicht ohne Spott davon. Dieses Buch ist ein verbaler Rundumschlag und es hilft, wenn einem das Leben mal wieder so richtig in die Fresse kracht.

Allerdings sind Drostes stärkste Texte die leiseren. So etwa der Text über Johnny Cash ("The Beast in Me") oder die Hommage an Hank Williams ("Keiner kommt hier lebend raus"). In diesen Texten überzeugt Droste auch ohne seine in anderen Texten etwas gar kraftmeierische Sprache. Über Cash schreibt Droste: "Cash war der definitive Outlaw, und er ist es noch immer. Er ist der unaufgelöste, nicht harmonisierte Widerspruch. Aber er ist doch so religiös! Protestiert der Country-Traditionalist, als sei das ein Einwand. Ja, das ist wahr, Cash ist tief religiös. Das Religiöse ist das spiegelverkehrte Böse, und das Bedürfnis nach Religion und Erlösung ist auch das Eingeständnis der Existenz von etwas sehr Dunklem in einem selbst: "The Beast in Me", wie Johnny Cash singt." Ebenso wahr wie schön gesagt.

Übrigens: Die "richtig gute Bar" gibt es tatsächlich. Im Hafenquartier von Barcelona. Wohlweislich verrät Droste nicht, wie die Bar heißt...

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionen.ch]

Leseprobe I Buchbestellung 0304 LYRIKwelt © Niklaus Grubenmann