Der Infekt von U.A.O.Heinlein, 2005, KnaurDer Infekt.
Roman von U.A.O.Heinlein (2005, Knaur).
Besprechung von Claudia Hötzendorfer aus der NRZ vom 19.08.2005:

Viren und andere Krimis
Uwe Heinlein lehrte an der Heine-Universität, bevor er sein Fach Genetik zur Fiktion adelte. Jetzt legt er seinen zweiten Roman vor.

Genmanipulation, Forschung mit Viren - wenn Wissenschaftler zu diesen Themen Bücher schreiben, kann das sehr trockener Lesestoff sein. Dass Wissenschaft auch richtig spannend verpackt werden kann, beweisen die Thriller von Uwe Heinlein.

Der, eigentlich Professor für Genetik, machte 17 Jahre lang seine Studenten an der Heinrich-Heine-Universität mit den Feinheiten seines Fachgebiets vertraut. "Ich wollte aber auch Menschen diese Themen näher bringen, die sich sonst nie dafür interessieren würden", erinnert sich Uwe Heinlein. "Ich habe mich immer geärgert, dass es nur zwei Varianten von wissenschaftlichen Thrillern gab. Entweder sie waren sachlich richtig, aber langweilig oder sie waren kurzweilig und spannend, aber wissenschaftlich völliger Unsinn." Also beschloss der 50-Jährige, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Das erste Ergebnis heißt "Finale der Puppenspieler". Molekularbiologische Daten verschwinden, ein deutscher Botanikprofessor macht obskure Geschäfte mit internationalen Söldnern. Ein Fall für die Agenten Green und Lundquist.

Heinleins Thriller überzeugen durch witzige, aus dem Leben gegriffene Dialoge, realistische Charaktere, eine gute Recherche, flottes Tempo und Schauplätze rund um den Globus. "Durch meine Arbeit bin ich viel herumgekommen. In jeder Stadt schaue ich immer gleich, ob es interessante Plätze gibt, die sich für die Handlung in einem meiner Bücher eignen", verrät der Autor.

Tödliche Grippe

Auch in seinem neuen Roman "Der Infekt" ermitteln Green und Lundquist mit ihrem Team. Diesmal geht es um Impfseren mit genmanipulierten Viren, die in Rinder injiziert werden sollen, um sie gegen Krankheiten resistent zu machen. Doch die Tiere verenden. Und die Viren lösen beim Menschen eine Grippe mit tötlichem Verlauf aus. Die Agenten kommen einem üblen Betrug auf die Spur, der jeden Besuch in einem Fastfood-Restaurant zukünftig in neuem Licht erscheinen lässt.

Die Idee dazu kam Heinlein durch zwei Zeitungsartikel, die von Freilandversuchen mit argentinischen Rindern berichteten. "Es konnten auch Viren in Farmarbeitern nachgewiesen werden, die allerdings nicht pathologisch waren", so der Hobbymusiker Heinlein, der übrigens auch schon mal mit dem Kollegen Frank Schätzing auf der Bühne steht - für einen zünftigen irischen Abend mit Musik, Lesung und Whiskeyverkostung.

"Genetik ist viel mehr als die Diskussion ums Leben aus der Retorte", sagt Heinlein. Auf jeden Fall ist sie ein Stoff für neue Bücher. Der nächste Krimi ist bereits in Arbeit. Lundquist & Co müssen wieder einen spannenden Fall lösen und eins ist sicher: "Es wird um ein Thema gehen, das mich gepackt hat und das ich über den Weg der Fiktion an ein größeres Publikum heranbringe."

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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