Der Heilige des Unmöglichen.
Roman von Arnon Grünberg (2006, Diogenes - Übertragung Rainer Kersten).
Besprechung
von Günter Brandorff aus Rezensionen-online *bn*, 2007:

Aus dem Leben zweier Immigranten auf der Suche nach dem amerikanischen Traum. (DR)

Arnon Grünberg, der auch bekannt ist unter dem Pseudonym Marek van der Jagt, ist als bedeutender niederländischer Schriftsteller ein Vertreter der "asozial-ethischen Raudiliteratur". Er schrieb unter anderem die Romane "Blauer Montag", "Der Vogel ist krank" und "Amour fou". Grünberg kombiniert den kritischen Blick auf menschliche Schwächen mit sehr ausgeprägtem Hedonismus. Der vorliegende Roman erschien 1998 als "Boekenweekgeschenk" unter dem Titel "De heilige Antonio". Erzählperspektive ist jene zweier Brüder, Tito (18) und Paul (19), die vor sechs Jahren zusammen mit ihrer bildschönen Mutter Raffaella aus Mexiko nach New York emigrierten. Die beiden fahren abends Essen aus und besuchen tagsüber einen Englischkurs, auf dem sie die mysteriöse Kroatin Kristin kennen lernen, die sie schließlich einmalig in ihre hohe Kunst der Liebe einweiht. Währenddessen erleidet Raffaelas Abenteuer als selbstständige Unternehmerin den Zusammenbruch. Tito und Paul bauen weiterhin auf das Gute, gerade auch als ihre geliebte Kristin einen Mord begeht und im Gefängnis landet. Der heilige Antonio "des Unmöglichen" hilft ihnen dabei. "Fehlt Kristin euch denn nicht?", werden die Brüder gefragt. Und sie sagen: "Nein, sie fehlt uns nicht. Sie kann uns nicht fehlen. Denn sie ist in uns, sie hat Besitz von uns ergriffen, wenn wir reden, redet sie."

Grünbergs Schreibstil ist gut und schnell verdaubar: In kurzen und expressiven Sätzen wird dem Leser ein ständiger, oft überraschend an die Oberfläche durchbrechender humoristischer Unterstrom präsentiert. Die zwischen tiefem Ernst und beißendem (Selbst-)Spott wechselnde Geschichte ist für alle Bibliotheken geeignet.

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