Der Gottsucher von György Dalos, 1999, InselDer Gottsucher.
Roman von György Dalos (1999, Insel)
Besprechung von Patrick Landolt aus der Wochenzeitung, Zürich, 7.10.1999:

«Der Gottsucher»

«Der Gottsucher» schliesst an «Die Beschneidung» an: Dalos erzählt die Geschichte eines Jungen in der Pubertät. Durch Zufall wird der fünfzehnjährige Gymnasiast Gabor Kolozs, ein schlechter Schüler, durch sein aussergewöhnliches Gesangsolo an einer Schulfeier zur Attraktion des Gymnasiums. Dieser Auftritt wird dem Jungen zum Verhängnis: Der katholische Gesanglehrer und der Schuldirektor, ein überzeugter Kommunist, beginnen um den Knaben zu werben. Auf seiner Suche nach der Wahrheit wird der Junge zwischen jüdischem Elternhaus, katholischem Singlehrer und kommunistischem Schuldirektor zerrieben. Ironisch gebrochen entfaltet Dalos einen Streit der Ideologien, lässt die Zeit nach dem Ungarn-Aufstand aufleben, bietet Geschichtslektionen und Ideologiekritik. Auch wenn die Gesamtszenerie etwas konstruiert wirkt, so fasziniert der Roman dort, wo Dalos erzählt und in die Details geht: etwa in den Schilderungen der Schule, der Darstellung der verarmten jüdischen Familie und des kranken Vaters, der Mauthausen überlebt hat und arbeitsunfähig ist.

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