Der Gott des Gemetzels.
Theaterstück von Yasmina Reza (2007, Staatstheater Nürnberg).
Besprechung von Katharina Erlenwein in den Nürnberger Nachrichten vom 11.10.2007:

Scharfe Blicke hinter die Fassaden
Yasmina Rezas neues Stück «Der Gott des Gemetzels« wird in Nürnberg gezeigt

Die Französin Yasmina Reza ist die derzeit meistgespielte Dramatikerin weltweit, ihre groteske Komödie «Kunst« wurde jahrelang auch in Nürnberg gegeben. Am Sonntag, 14. Oktober, hat ihr neuestes Stück «Der Gott des Gemetzels« in der Regie von Peter Hatházy in den Kammerspielen des Staatstheaters Premiere. Es spielen Elke Wollmann, Frank Damerius, Adeline Schebesch und Thomas Klenk.

Es ist wie immer bei Yasmina Reza: eine simple Situation, nur vier Beteiligte, viele knappe Sätze, die sitzen wie ein Faustschlag. Aber wenig Verständnis. Und zwischen den Zeilen findet sich in ihrem jüngsten Stück – wie in allen bisherigen auch – die ganze Unfähigkeit der Menschheit, sich zivilisiert auseinander zu setzten. Ihr «Gott des Gemetzels« bringt zunächst einmal einen Schüler dazu, seinem Klassenkameraden die Vorderzähne mit einem Stock einzuschlagen. Mehr als nur eine kleine Rauferei, was die Eltern des Opfers auf den Plan ruft. Sie laden die Eltern des Täters ein, um die Strafe zu verhandeln: soll er sich entschuldigen? Und wenn ja wie? Und überhaupt – hatte er nicht sogar recht?

Es dauert keine Viertelstunde, schon schaukelt sich das gediegene Gespräch unter gutbürgerlichen Stadtbewohnern zum grotesken Kampf jedes gegen jeden hoch, das Desaster ist unausweichlich, Zivilisation ein nettes Mäntelchen über den banalen Egoismen des Einzelnen, über der gepflegten Tristesse des schönen Scheins. Jeder kann sich spiegeln in diesem Stück, es ist komisch und anrührend zugleich, den zwei Frauen und zwei Männern bei der Entblößung ihrer geheimen Doppelmoral zuzusehen.

Das war so in Rezas Dauerbrenner «Kunst« und auch in dem Episoden-Drama «Drei Mal Leben«, den bekanntesten der Autorin, deren Romane «Eine Verzweiflung« und «Adam Haberberg« übrigens mindestens ebenso lesenswert ist wie ihre Stücke sehenswert.

«Der Gott des Gemetzels« bestimmt nach der furiosen Uraufführung von Jürgen Gosch in Zürich die Spielpläne landauf, landab, doch längst hat Reza mit ihrem neuesten Coup ganz andere Schlagzeilen gemacht: Während der viele Monate währenden Wahlkampf-Kampagne hat sie Nicolas Sarkozy auf Tuchfühlung begleitet, ihr im August erschienenes Buch «Die Dämmerung, der Abend oder die Nacht« verrät vieles über den strebsamen Polit-Aufsteiger, und das wie immer in glänzend pointierter Form. Etwa die Szene, in der Sarkozy der neben ihm sitzenden Reza den Figaro vom Schoß zieht, nicht etwa, weil er einen interessanten politischen Artikel entdeckt hätte, sondern um die Uhr auf der «Rolex«-Anzeige zu bewundern....Fortsetzung

Die vollständige Besprechung von Katharina Erlenwein finden Sie in den Nürnberger Nachrichten.

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