Der Glanz der Welt von Michael Amon, 2012, EchomediaDer Glanz der Welt.
Roman von Michael Amon, (2012, Echomedia-Verlag).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 25.5.2012:

Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der Wiener Schriftsteller Michael Amon den Hammer schwingt und eindrischt auf den ehemaligen Finanzminister Klaus-Hugo Grapschmann, der im Stammlokal "Giacomos" (gleich ums Eck vom Graben) seine Freunderln trifft:
den Privatbankier Thaddäus Schnittling XVI., den Baron Schmauch-Baller, die ganze Clique halt ...

"Hierzulande wäscht nicht bloß eine Hand die andere, sondern die hocken alle miteinander pudelnackert in derselben Badewanne und schrubben sich gegenseitig mit riesigen Schwämmen den Buckel und die Bäuche sauber. Packlraß!"

Dass Grapschmanns früherer Sekretär vom Stephansdom fällt, ist ebenfalls verlockend: Er war es, der – mit Diplomatenpass ausgestattet – das Schwarzgeld im Koffer in die Welt hinaus brachte.

Michael Amon ist ein undisziplinierter politischer Denker. Das zeichnet ihn aus. Das macht ihn so wichtig.

Aber bei seiner Satire "Der Glanz der Welt" war ihm die – herrlich komische – Milieubeschreibung derart wichtig, dass er aufs Buch vergaß. Ihm fehlte nicht nur das Interesse an einem Krimi: Eigentlich wollte er gar nichts erzählen, sondern attackieren. Amon baut eine schöne, aber unnötige Italienerin ein, ärgert sich über einen Fiaker, der während der Fahrt Pizza isst usw.

Grapschmanns Frau Fifi Kacerovsky-Cavallina, ständig an der Zunge des Ehemannes saugend (und seine Hinterbacke umklammernd), ist offensichtlich Lieblingsopfer des Wiener Autors.

"Bröng deine Geschäfte ön Ordnung", ermahnt der adelige Schnittling seinen verliebten Freund. "Ordne deine Hormone."

Amon wird bestimmt in der Fortsetzung des Romans, an der er arbeitet, auch einiges neu regeln.

KURIER-Wertung: *** von *****

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]

Leseprobe I Buchbestellung I home 0512 LYRIKwelt © Kurier