Der gestiefelte Kater.
Märchen von Ludwig Tieck (2003, Kindermann, hrsg. von Bruno Blume und Jacky Gleich).
Besprechung von Sabine Dultz im Münchner Merkur, 21.12.2003:

Ironie, Pathos und Verführung
Tiecks "Gestiefelter Kater"

",Ich habe erfahren, werter Prinz, dass meine Tochter Sie nicht liebt’, sagt der König und seufzt. ,Ach, sie ist zwar klug, mein Herzblatt, aber sie macht mir Sorgen.' " Da erklingen die Trompeten, und es betritt ein Kater den Saal und spricht: "Mein Herr, der Graf von Carabas erlaubt sich, dem König ein Kaninchen zu senden.

Natürlich, dabei kann es sich nur um den "Gestiefelten Kater" handeln. Aber nicht das Märchen wird in dieser wunderbaren Ausgabe platt erzählt, sondern das, was Ludwig Tieck (1773-1853) unter diesem Titel einst als Theaterstück auf die Bühne gebracht hat. Ein Klassiker der Literatur. Und darum gerade richtig für den engagierten Kindermann Verlag, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Dramen der Weltliteratur für Kinder neu zu erzählen und bebildern.

Mit Tiecks Musterstück der romantischen Ironie ist das hervorragend gelungen. Bruno Blume schildert die Geschichte so trefflich, dass es für die jungen Leser eine Lust sein muss, sie nachzuspielen. Denn "Der gestiefelte Kater" ist in einem Theater angesiedelt. Es gibt die Zuschauer, die lamentieren, diskutieren, protestieren; es tritt der arme Dichter des Stücks auf, der ausgepfiffen wird; und die Schauspieler fallen mir nichts dir nichts aus ihren Rollen.

Das alles ist ein großer Spaß. Denn nebenbei werden sie alle wunderbar durch den Kakao gezogen. Und die Lektüre vermittelt zudem, wie es hinter der Bühne so zugeht, wenn sich zum Beispiel der Vorhang zu früh öffnet und die Bühnenarbeiter noch die Kulissen schieben.

Aber nicht nur der Text ist vergnüglich. Zum Erfolg des Buches tragen maßgeblich die Illustrationen von Jacky Gleich bei. Wie sie die Zuschauer mit fein satirischem Strich zeichnet oder den Darstellern mit kräftiger Farbe und Gestik Pathos verleiht, ist herrlich anzusehen. Eine Verführung zum Buch. Eine Versuchung zum Theaterspielen.

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