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Der
Fliegenpalast.
Prosa von Walter Kappacher (2009,
Residenz-Verlag).
Besprechung von Alexander Czajka, 04.2009:
Der Fliegenpalast
In Bad Fusch treffen wir auf den
gealterten Hugo von Hofmannsthal. Es ist das Jahr in dem
Kafka starb; und auch
Hofmannsthals Herz ist schwach. Mit
vielen seiner Kollegen ist er zerstritten, er sehnt sich nach Versöhnung und hat
doch Angst davor, auf die einstigen Weggefährten zu treffen. Er sucht nach
Einsamkeit und doch nach einer Seele, in der er sich spiegeln kann. Die könnte
er in Doktor Krakauer finden, der ihn bewundert und mit ärztlichem Rat zur Seite
steht; ungünstig nur, auch der hat wenig Zeit. Bleibt Bad Fusch, ein Ort in den
Höhen Österreichs, der Hofmannsthal seit frühster Kindheit Zuflucht und Muse
bietet. Viele Gedichte gelangen ihm hier, viele Ideen zu Dramen, Brief- und
anderer Prosa entstanden. Erinnerungen an die Eltern, auch das ist Bad Fusch.
Wäre da nicht der Erste Weltkriegkrieg gewesen, den Hofmannsthal wie viele
seiner Dichterkollegen zunächst billigte. Etwas in ihm ist seither zerbrochen.
In seinen Schubladen türmen sich die Fragmente, er arbeitet an dem einen, ein
bisschen an dem anderen und weiß doch, dass ihm nichts mehr gelingen wird.
Wenigstens den Timon beenden, wenigstens den Timon, auf der einsamen Bank am
Waldesrand, die ihm stets ein kreativer Ort gewesen, das ist sein erklärtes
Ziel. Doch statt sich fernab der Familie zu finden, nimmt die Zerstreuung
merklich zu.
„Der Fliegenpalast“ strotzt vor Bezügen zu literarischen Werken und
Zeitgenossen. Büchernarren, das ist ein Vergnügen! Der Sprachstil ist
erfrischend unaufgeregt. Literarische Sätze so zu formen, dass sie ein
harmonisches Textgewebe ergeben, ist gewiss eine Kunst, Kappacher beherrscht
sie. Seine Sprache ist dem Sujet angepasst, einem Kurort gleich kann man sich
von den Schnellergüssen unserer Zeit erholen. Der Erzähler tritt überwiegend
hinter der transportierten- und Gedankenrede zurück, wir erfahren nicht mehr,
als die Figur Hofmannsthal sich selber und seiner Umwelt preisgeben will. In
Analepsen, die bis in die Kindheit zurückreichen, werden Fetzen eines
Künstlerlebens, einer sensiblen und oft an sich zweifelnden Künstlerseele
vorgeführt. Briefe und Lyrik sind in den Prosatext integriert, sorgen für ein
hohes Maß an Authentizität; Schlegel hätte seine wahre Freude an dieser
Universalpoesie. Ja, schwer macht es uns der Kappacher, vergessen sollte man
dennoch nie, ein Roman bleibt ein fiktives Gebilde. Aber nun: Bitte, lassen Sie
sich nicht aufhalten.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie in www.czajka-online.de]
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2.)
Der
Fliegenpalast.
Prosa von Walter Kappacher (2009,
Residenz-Verlag).
Besprechung von Hans-Jürgen Schings in der Frankfurter
Allgemeine vom 12.03.2009:
Epiphanien und Magie, das ist vorbei
Die komplette Rezension von Hans-Jürgen Schings finden Sie unter faz.net
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter faz.net]
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