Der Bote aus Frankreich von Ludwig Harig, 2007, Zu KlampenDer Bote aus Frankreich.
Buch von Ludwig Harig (2007, Zu Klampen).
Besprechung von Jens Dirksen aus der NRZ vom 17.07.2007:

Auf zu Artus und Lancelot
Der Bote aus Sulzbach: Ludwig Harig hat ein tiefsinniges Bretagne-Buch geschrieben.

Kein Wunder, dass sich auch sein allerneuestes Buch nach Frankreich wendet, Richtung Bretagne diesmal: Ludwig Harig wohnt schließlich Aug in Aug mit dem französischen Nachbarn, bei Saarbrücken, in Sulzbach. Von dort blickt er auf den "Brennenden Berg", einen schwelenden Kohleflöz, über dessen heiße Spalten Harig schon als Kind seine Hände gehalten hat. Und schon der Junge Harig hat sich für König Artus und Ritter Lancelot erwärmen können, die Titelhelden seines neuen Buches. Es ist ein Reisebuch geworden, ein Bretagne-Buch und, wie so Vieles, was Harig in den letzten Jahren geschrieben hat, eine Erinnerung. Auch in dem "wahren Roman" namens "Kalahari", der ebenfalls in diesem Jahr erschienen ist, ging Harig auf Spurensuche und rekonstruierte den Lebensweg eines französischen Freundes, der zwar vom selben ´27er Jahrgang war wie er, dessen Leben aber doch so ganz anders angefangen hatte, weil es der Krieg war, der bestimmte, wer auf welcher Seite zu stehen hatte.

Ein Jahrgangsgenosse von Walser und Grass

Es liegt an zwei anderen Jahrgangsgenossen, dass Ludwig Harig seinen 80. Geburtstag heute eher im Schatten feiert - doch das mediale Gratulationsgewoge um Martin Walser und Günter Grass wäre Harig vielleicht gar nicht mal recht. Einem breiteren Publikum ist er erst seit den 80er Jahren mit seiner autobiografischen Roman-Trilogie ("Ordnung ist das ganze Leben", "Weh dem, der aus der Reihe tanzt" und "Wer mit den Wölfen heult, wird Wolf") ein Begriff. Angefangen hatte der Übersetzer des Surrealisten Raymond Queneau mit experimentellen Texten, Konkreter Poesie und dem "Neuen Hörspiel". Dass er in den 70er Jahren den Dienst als Volksschullehrer quittierte und freier Autor wurde, ließ sein Werk konventioneller werden, ja bodenständiger. Schon 1974 gab er "notwendige Beiträge zur Fußball-Weltmeisterschaft" unter dem Titel "Netzer kam aus der Tiefe des Raumes" heraus. Und noch im vergangenen WM-Jahr präsentierte Harig hinreißende "Fußball-Sonette".

Bei allem Anschmiegen ans Publikum aber hält Harig am Sinnieren, am Nachsinnen fest. So ist auch das neue Buch ein Triumph der Phantasie über die bloße Realität - "denn mehr als das Tatsächliche, das ich vor mir sah, interessierte mich das Erfundene, das sich in meinem Kopf zusammengebraut hatte." (NRZ) 

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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