Der Blauwal im Kirschgarten. Erinnerungen an die Gegenwart.
Erinnerungen an die Gegenwart von Moritz Rinke (2001, Rowohlt).
Besprechung von Thd aus der Frankfurter Rundschau, 17.11.2001:

Winterliches Sommerloch

Moritz Rinke sieht gut aus, wohnt in Berlin, ist sogar noch halbwegs jung und auch von daher einer der erfolgreichsten aufstrebenden Dramatiker der Republik. Nebenbei schreibt er für beinahe alle großen Zeitungen oder lässt von ihnen die Preisreden nachdrucken, die er gut und gerne hält. In seinen Erinnerungen an die Gegenwart so der Untertitel des Rinke'schen Nachlasses zu Lebzeiten - sind seine schönsten Artikel und Reden noch einmal zu bewundern. Hatten Sie zum Beispiel jemals Sex mit Friedrich Nietzsche? Moritz Rinke natürlich auch nicht, aber mit derartigen Gedanken füllt der gewandte Schwadroneur jedem Feuilleton das Sommerloch. Er schreibt über die Weihnachtsbäume auf dem Wochenmarkt und die Besichtigung der Weltgeschichte vom Badewannenrand aus, er erzählt vom geplatzten Interview mit Ex-Staatsminister Michael Naumann und von einen Selbstversuch mit der Beate-Uhse-Hotline. Rinke zeigt dabei immer ein feines Gespür für die intelligente Pointe, seine Artikel (und Reden) sind wie jeder auf Wirkung bedachte Witz gut geschrieben und machen ungeheuren Spaß beim Lesen. Obendrein: Dass die Gegenwart, an die sich Rinke erinnert, bedauerlicherweise nicht mehr die heutige ist, verleiht seinem Werkeln historischen Glanz.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter fr-logo]

Leseprobe I Buchbestellung 1101 LYRIKwelt © Frankfurter Rundschau