Das zufällige Leben des Homer Idlewilde.
Roman von Yann Apperry (2005, Aufbau -
Übertragung Nathalie Mälzer-Semlinger).
Besprechung von Birgit Ruf aus den Nürnberger Nachrichten vom 11.10.2005:

Homer lebt in Kalifornien
Lesung des Franzosen Yann Apperry in Nürnberg

Yann Apperry, ausgezeichnet mit dem renommierten Prix Médicis, stellt am 19. Oktober (19.30 Uhr) im Zeitungscafé der Nürnberger Satdtbibliothek (Eingang neben der Katharinenruine, Peter-Vischer-Str.) seinen neuen Roman „Das zufällige Leben des Homer Idlewilde“ vor. Die Lesung wird auf Deutsch und Französisch sein.

Homer ist ein gutgläubiger Träumer, ein Lebenskünstler und naiver Vagabund, den es als Waise in das Nest Farrago im Norden Kaliforniens verschlagen hat. Vom Priester geschnitten, vom Sheriff wegen allerlei Dummheiten ständig verfolgt, bewegt er sich am Rande der Dorfgemeinschaft, hat als Freunde den obdachlosen Duke, der auf einem Schrottplatz haust, den schmiedenden Träumer Elijah, die Damen im Bordell und den Ladenbesitzer Fausto. Von ihnen, den Antihelden auf der Suche nach dem kleinen Glück, erzählt Yann Apperry mit großer Eindringlichkeit, mit Einfühlsamkeit und Poesie, in dichten Bildern voller Tragik und Witz.

Held wider Willen

Nichts ersehnt sich Homer mehr, als dass sein Dasein aus der Bedeutungslosigkeit herausragt. „Ich wünsche mir, eine Geschichte zu erleben, die aus meinem Leben ein Schicksal macht“, sagt er zu seinem väterlich-philosophischen Freund Fausto, als er eine Sternschnuppe vom Himmel fallen sieht. Und tatsächlich überschlagen sich im Folgenden die Ereignisse. Durch seine Abenteuer und die Lebensgeschichten seiner Freunde, die er sich bedächtig anhört und bis zum teilweise dramatischen Ende miterlebt, wird Homer reifer, verantwortungsbewusst und ein Held wider Willen.

Am Ende des Sommers 1973, über den er rückblickend heiter-melancholisch erzählt, hat Homer einen Freund sterben sehen, Umweltsünder und einen Serienmörder gefasst, das große Geld gemacht, in der Prostituierten Ophelia eine Lebenspartnerin gefunden (aber vielleicht auch schon wieder verloren) und ein Kind gezeugt.

Mit 28 Jahren wurde Apperry (Jahrgang 1972) für seinen Roman „Diabolus in musica“ mit dem renommierten Prix Médicis ausgezeichnet. Eine Ehre, aber wohl auch eine große Bürde für den Jungstar: Bevor er sich an die Geschichte von Homer Idlewilde machte, entfloh der Sohn einer Amerikanerin und eines Franzosen dem Medienrummel und vagabundierte zwei Jahre durch Amerika. Eigentlich wollte er nie mehr schreiben, machte sich dann aber, zurück in Frankreich, doch an die Arbeit — und stellt erneut sein großes erzählerisches Talent unter Beweis. Die Odyssee Homers, in Frankreich unter dem Titel „Farrago“ erschienen, nennt Apperry seinen „ersten wirklichen Roman“ .

Das Buch lebt vom Charme und Charakter seines Erzählers. Eine große Geschichte über das Träumen und Hoffen, Lieben und Leiden, Leben und Sterben der kleinen Leute aus Farrago — angesiedelt far away und long ago, aber mit zeitloser Gültigkeit.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter Nürnberger Nachrichten]

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