Das Witwenhaus von Askold Melnyczuk, 2008, DeutickeDas Witwenhaus.
Roman von Askold Melnyczuk (2008,
Deuticke - Übertragung Andrea Marezeller und Martin Amanshauser)
Besprechung von Quet in Neue Züricher Zeitung vom 25.02.2009:

Räuberpistole

Lang ist die Liste der Autoren, die das Exil der Väter zumindest schreibend verlassen, um in alte Heimaten zurückzukehren. Der 1954 in New York geborene Askold Melnyczuk ist einer von ihnen. Aus der Ukraine stammt seine Familie, und dorthin verschlägt es auch Teile seines Romans «Das Witwenhaus». Die Fabel ist ziemlich reisefreudig. Sie führt nach Oxford und nach Wien, wo die Grossmutter des Ich-Erzählers unter dem Tarnnamen «Das Witwenhaus» ein Luxusbordell führt. Die Nostalgie, die den Erzähler dazu treibt, versunkenen östlichen Vergangenheiten nachzuforschen, löst sich in Ernüchterung auf. Die kriminelle Energie der Sippschaft ist so unübersehbar wie der Plot des Romans verwickelt. Askold Melnyczuk hat kein «grosses Buch über Väter und Söhne» geschrieben, wie der Klappentext verheisst. «Das Witwenhaus» ist trotz seinen Bemühungen um Lokalkolorit auch kein Panorama europäischer Farben, sondern eine Räuberpistole von allenfalls bodenständiger Originalität.

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